Die Pest, die Angst und der Schatz von Erfurt

Foto: Andreas Lander

Bei Sanierungsarbeiten in der Innenstadt von Erfurt wird 1998 ein bedeutender Fund gemacht – ein Schatz, wie er bis dato noch nie in Deutschland gefunden wurde: versteckt im Boden liegen über 3000 mittelalterliche Münzen, Silberbarren und mehr als 700 Einzelstücke gotischer Goldschmiedekunst. Prunkstück des Schatzes ist ein aufwendig gearbeiteter jüdischer Hochzeitsring. In dem Ring sind die Worte "Mazel Tov" in hebräischer Schrift eingraviert, Mazel Tov heißt so viel wie "Viel Glück“. Aber dem Besitzer des Ringes scheint er nicht viel Glück gebracht zu haben: Denn dieser Schatz wird mit einem brutalen Verbrechen verknüpft: am 21. März 1349 wurden in Erfurt an die 1000 Menschen jüdischen Glaubens von Aufständischen getötet. Jenes Ereignis steht im Zusammenhang mit einer Welle von Judenverfolgungen, die im 14. Jahrhundert quer durch Europa zieht und die in ihrer Brutalität erst von den Nationalsozialisten mit ihrer Vernichtungsmaschinerie übertroffen werden sollte.

Wie leben die Juden in Erfurt bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts? Wer sind die treibenden Kräfte des Pogroms, das mit der Auslöschung der Judengemeinde in Erfurt endet? Und was sind die veränderten Gegebenheiten im 14. Jahrhundert, die diese brutale Judenverfolgung in Westeuropa erst ermöglichen?

Antworten geben mittelalterliche Quellen wie Chroniken und Urkunden der Stadt Erfurt, Schuldscheine und Steuerlisten. Es existieren sogar Abschriften von Verhör-Protokollen von Männern, die an dem brutalen Aufruhr beteiligt waren. Mit Hilfe dieser Dokumente rekonstruiert der Film die Ausschreitungen. Drei Experten -  eine Kunsthistorikerin, ein Historiker und ein Sozialpsychologe – deuten die erhaltenen Quellen und decken die versteckten gesellschaftlichen Strukturen, psychologischen Motive und historischen Hintergründe auf, die zu dem brutalen Verbrecher führten.

Buch/Regie: Gabriele Rose

Kamera: Torbjörn Karvang / Jürgen Rehberg

Schnitt: Tim Sprado

Musik: Philipp E. Kümpel/ Andreas Moisa

Produktionsleitung: Sascha Beier

Producer: Katrin Thomas

Produzentin: Simone Baumann

Besetzung:
Robert Viktor Minich als Kalman von Wiehe
Sebastian Kowski als Hugo Lange
Merten Schroedter als Guntzel von Rockstedt

Länge: 45 min.

Fotos: Andreas Lander

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Sendetermin: 07.08.2016, 20.15 Uhr, MDR FERNSEHEN