Sechs Tage Eiszeit – Der Katastrophenwinter 1978/79

Foto: Saskia Benkenstein

Ein Film von Katja Herr

Es ist ein Winter-Sturm, der aus dem Nichts zu kommen scheint. Zum Jahreswechsel 1978/79. Eine Schneehölle, die zwölf Meter Schneewehen auftürmt, die Wellenkämme gefrieren lässt, die Menschen und Autos verschluckt und ungeahnte Kräfte freisetzt. In Mitteleuropa gefriert das normale Leben bei zwanzig Grad unter Null. – Sechs Tage in Eis und Schnee. – Es ist ein Schneesturm der Geschichte schreibt. Die neue 90 Minuten Dokumentation des MDR erzählt detailliert, facettenreich und chronologisch die Ereignisse der sechs Wintertage 1978/79. In der DDR, in der Bundesrepublik und in Polen. Mit unbekanntem Archivmaterial, historischen Fotos und beeindruckenden Zeitzeugen, die ihre Geschichten des Winters schildern. 

Ulrich Lau, LPG-Bauer auf dem Darß
Der Sturm war so stark, dass man keine Luft mehr bekam. Die Wildschweine fraßen unsere Schafe und die Rinder gefroren in den Ställen. Es war schrecklich.“

Wolfgang Mitzinger, Stellv. Energieminister der DDR
Ich sagte im Ministerrat: Das ist eine Katastrophe! Aber sie zuckten nur mit den Schultern. Wir sind tatsächlich von diesem Winter überrollt worden.“

Udo Beßer, NVA-Kompaniechef in Mitteldeutschland
„Diese Katastrophe betraf urplötzlich nicht nur das ganze Land, die DDR, sondern fast halb Europa. In mir entwickelte sich das Gefühl, das ist Krieg, was jetzt hier stattfindet.“

 Norbert Cejnowa, Lehrer in Polen
„Vor dem Tod hatte ich keine Angst. Wir hatten auch keine Zeit, daran zu denken. Es war wie das Weltende.“

Werner Kähne, Vater mit 3 kleinen Kindern aus Husum
Wir schliefen auf dem blanken Boden, es war 1 Grad plus. Wir waren hungrig, durstig und am Ende. Wir wollten doch nur nach Hause!“

 Axel-Reiner Porsch, Energieingenieur in Erfurt
„Ich bin nicht stolz darauf, den ersten Energie-Blackout in der Geschichte der DDR angewiesen zu haben. Aber es gab keine Alternative.“

Gerold Mersch, Soldat im Grundwehrdienst der Bundeswehr
„Ich hatte Frostbeulen an Händen und Füßen, den Panzerfahrern waren die Augenbrauen abgefroren, wir schliefen in Bunkern, weil wir unsere Betten für Familien geräumt hatten. Dieses Gefühl zu helfen, hat unheimliche Kräfte in mir freigesetzt.“


Buch/ Regie: Katja Herr

Recherche: Karsten Schünemann, Claudia Gründer, Aleksandra Syta

Kamera: Jürgen Rehberg, Sebastian Jacobi, David Bochmann

Schnitt: Richard Krause

Animationen: Sascha Knorr

Aufnahmeleitung: Christine Stephani, Manuela Strauch

Produktionsleitung: Sascha Beier

Redaktion MDR: Martin Hübner 


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