Elsa Brändström – Der Engel von Sibirien

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Elsa Brändström - unzählige Straßen, Kindergärten und Schulen tragen in Deutschland ihren Namen. In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts verehren sie Menschen in Deutschland und auf der ganzen Welt als "Engel von Sibirien" und "Mutter von Neusorge". Die Presse feiert sie als Star oder Heilige. Sie wird mit Preisen überhäuft, mehrmals für den Friedensnobelpreis nominiert und von Hitler hofiert. Heute kennt niemand mehr Elsa Brändström. Wer war diese Frau?

GMD erzählt die besondere Geschichte einer jungen bürgerlichen Frau aus Schweden.  Sie meldet sich wie Tausende andere Frauen in ganz Europa 1914 zum Lazarettdienst und gerät in den Strudel der Weltgeschichte. Sie zaudert und leidet, kämpft und überlebt. Am Ende verleiht sie dem Begriff Menschlichkeit eine neue Dimension: sie rettet hunderttausende Kriegsgefangene in Sibirien vor dem Tod und gibt tausenden Kindern in ihrem Waisenheim im sächsischen Mittweida eine Zukunft.

Als Tochter des schwedischen Militärattachés in St. Peterburg erlebt Brändström 1914, wie Europa in den Krieg zieht. Als Krankenschwester des Roten Kreuzes reist sie nach Sibirien, um in den Gefangenenlagern den Männern zu helfen. Für die deutschen und österreichischen Kriegsgefangenen, die hier unter furchtbaren Bedingungen in Erdbaracken dahinsiechen, wird sie eine Lichtgestalt. Sie sammelt zwischen 1916 und 1920 in St. Petersburg, Stockholm und Berlin warme Kleidung, Medikamente, Lebensmittel und organisiert den Transport nach Sibirien, zunächst auf Kamelen, später mit der Eisenbahn. Erst als sich der Völkerbund der Heimkehr der Kriegsgefangenen annimmt, verlässt Elsa Brändström Russland.

Mit Spendengeldern und den Einnahmen aus ihrem Buch richtet sie in Deutschland nach dem 1. Weltkrieg ein Kinderheim ein. Über 2000 Kinder kommen hier in den 20er Jahren unter. Erhalten Essen, Zuwendung und eine Ausbildung. 1929 heiratet sie. Mit ihrem Mann, einem überzeugten Sozialisten, emigriert sie 1933 nach Boston. Vom Helfen kann sie auch dort nicht lassen: Sie gründet einen Verein, der sich um Flüchtlinge aus Europa kümmert. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs organisiert sie Hilfssendungen an Kinder in Deutschland. Am 4. März 1948, drei Wochen vor ihrem 60. Geburtstag, stirbt Elsa Brändström. Ihrer Tochter schreibt sie:"Hab nicht Angst. Das Leben ist aufregender, schöner und kraftvoller als ihr es Euch vorstellen könnt. Wir sind viel stärker als wir glauben.

Die Dokumentation inszeniert die Arbeit von Elsa Brändström in Sibirien und beginnt sich auf Spurensuche nach Mittweida. Erstmals filmt ein Kamerateam im Schloss Neusorge, dem ehemaligen Waisenheim. Neben dem Historiker Jochen Oltmer und der Honorarkonsulin Schwedens Petra Löschke kommt auch Elsa Brändströms Stiefsohn Konrad Ulich zu Wort. Seine Schilderungen den Menschen Elsa Brändström erkennen.

 

 

Bildergalerie

Autor/Regie: Annette Baumeister

Regie Spielszenen: Pepe Pippig

Kamera: Jürgen Rehberg / Jean Schablin

Producer: Katrin Thomas

Produktionsleiter: Sascha Beier

Produzentin: Simone Baumann

Besetzung:
Ellen Müller als Elsa Brandström
Nico Ehrenteit als Soldat Richard
Pit Bukowski als Soldat Wilhelm
Dmitry Brauer als Russ. Lagerkommandant
Michael Ruchter als Soldat Klaus

Sendetermin: 17.08.2014, 20.15 Uhr, MDR FERNSEHEN

Fotos: Andreas Lander