Wernher von Braun - Das düstere Geheimnis des Raketenmanns

Jahrzehntelang galt er als Lichtgestalt deutscher Ingenieurskunst, als einer der großen Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts: Wernher von Braun.

Seine größte Tat, ein historisches Ereignis erster Güte, war die Mondlandung 1969, zu der von Braun mit der Entwicklung der Trägerrakete "Saturn" entscheidend beigetragen hat.

Doch um so weit zu kommen, hat der mit großem Charisma versehene von Braun vorher skrupellos seine Karriere im Dritten Reich vorangetrieben. Seit 1937 war das NSDAP- und SS-Mitglied maßgeblich verantwortlich für Entwicklung und Fertigung der sogenannten V2-Raketen, die vor allem auf England abgeschossen wurden. Damit war er ebenso mitverantwortlich für den Tod von Tausenden Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen vor allem in Mitteldeutschland, in der unterirdischen Raketenfabrik Dora-Mittelbau vor den Toren von Nordhausen in Thüringen.

Die Dokumentation über Wernher von Braun in der neuen GMD-Staffel beginnt im Februar 1969, an einem spannenden und für von Braun überaus gefährlichen Punkt: Wenige Monate vor dem Start von Apollo 11, dem Flug zum Mond, wird er als Zeuge im sogenannten Dora-Prozess vernommen. Sollte hier seine NS-Vergangenheit bekannt werden, würde seine Karriere zerstört und Kennedys Mondprojekt ins Wanken geraten.

Denn von Brauns Verstrickungen und die Nähe zum NS-System kennen in den USA und in Westdeutschland nur ganz wenige. Um ihn und andere für Rüstungszwecke wichtige deutsche Wissenschaftler einbürgern zu können, unterschlägt und fälscht das Pentagon nach Kriegsende in der Geheim-Operation "Paperclip" belastende Angaben aus dem Dritten Reich. Erst nach seinem Tod kommen die Akten an die Öffentlichkeit.

Die Vernehmung Wernher von Brauns in New Orleans ist der rote Faden des Filmes. In Rückblicken wird zudem sein kometenhafter Aufstieg dargestellt, aber auch seine Mittäterschaft und Kenntnisse des furchtbaren Ausbeutungssystems in Mittelbau-Dora dokumentiert. Immer geht es dabei auch um wichtige Fragen, die noch heute aktuell sind. Hat Wissenschaft eine moralische Dimension? Sind Forscher in ihrem Streben auch oder zuallererst der Ethik verpflichtet?

Neben umfangreichem Aktenmaterial aus der Nazi-Zeit und den USA geben unterschiedliche Interviewpartner Einblicke und Einschätzungen zum Menschen und zur Person Wernher von Braun.

  • sein Neffe Christoph von Braun
  • Ruth Bussenius-Kraft, bekannte Schriftstellerin aus DDR-Zeiten und eine der letzten noch lebenden Mitarbeiter von Brauns im Raketenerprobungswerk Peenemünde
  • Jens-Christian Wagner, Leiter der KZ-Gedenkstätte Dora-Mittelbau
  • Rainer Eisfeld, Osnabrück und Michael Neufeld, Washington, Historiker mit langjährigen Forschungen zu von Braun 

 

 

Bildergalerie

Buch/Regie: Christian Schulz

Regie Spielszenen: Pepe Pippig

Kamera: Jürgen Rehberg, Sebastian Hattop

Producer: Katrin Thomas

Produktionsleiter: Sascha Beier

Produzentin: Simone Baumann

Besetzung:
Stephan Schill als Wernher von Braun
Bernhard Geffke als Richter Hans Hückel
Kai-Peter Gläser als NASA-Anwalt
Lars Möhring als US-Offizier

Sendetermin: 10.08.2014, 20.15 Uhr, MDR FERNSEHEN

Fotos: Andreas Lander