Wolfgang Vogel – Der DDR-Anwalt mit dem goldenen Mercedes.

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"Er hatte außerordentliche Fähigkeiten entwickelt, sich zwischen den Welten zu bewegen. Er speiste mit dem Teufel, und man braucht eine lange Gabel, wenn man das tut."

So beschrieb der ehemalige US-Botschafter in der DDR, Richard Barkley, eine der rätselhaftesten Figuren des Kalten Krieges, den Ost-Anwalt Wolfgang Vogel.

Insgesamt 33.755 politische Häftlinge und 250.000 Ausreisewillige kaufte die Bundesrepublik zwischen 1964 und 1989 aus der DDR frei. Anfangs zahlte die BRD noch mit Bargeld, später dann mit Warenlieferungen. So erhielt die DDR bis 1989 Erdöl, Industriediamanten, Kupfer und Konsumgüter im Gegenwert von 3,5 Milliarden DM. Ein lukratives Geschäft für den ostdeutschen Staat, dem es allen möglichen mangelte, nur nicht an Häftlingen.

Dieser "Menschenhandel" zwischen Ost und West war ein heikles Geschäft. Vor allem weil die Regierungen lange Zeit offiziell nicht miteinander redeten. Gefragt waren daher auf beiden Seiten Mittler, die durch ihre Verbindungen in höchste Kreise und diplomatisches Geschick Brücken zwischen den verfeindeten Blöcken schlagen konnten.

Für westdeutsche Politiker und Vertreter der Kirchen, die sich um die Freilassung von Gefangenen bemühten, war Wolfgang Vogel Jahrzehnte lang die wichtigste Anlaufstelle. Auf der anderen Seite des eisernen Zauns bedeutete der Anwalt für viele Tausende politische Häftlinge die letzte Hoffnung. Andere wiederum sahen in ihm nur einen Handlanger des DDR-Regimes, einen "Advocati Diaboli", der mit am meisten von seinen Geschäften profitierte.    

Doch was für ein Mensch war  Wolfgang Vogel wirklich? Wie wurde er zu diesem unentbehrlichen "Anwalt zwischen den Fronten"? Was trieb ihn an?

Die Dokumentation beleuchtet vor allem die Anfänge erfolgreichen Anwalts Wolfgang Vogel, der schon früh ins Blickfeld der Stasi geriet. Im Fokus des Films steht der Zeitabschnitt zwischen 1953 und dem Ende der 70er Jahren. Neben seiner herausragenden Funktion im Häftlingsfreikauf und beim Austausch von Spionen soll auch seine Rolle im politischen Dialog beider deutscher Staaten behandelt werden.

Mit Hilfe von Archivmaterial, dokumentarischen und szenischen Elementen sowie zahlreichen Interviews mit Zeitzeugen, engen  Weggefährten und ehemaligen Häftlingen wird ein facettenreiches Bild des Anwalts zwischen den Fronten gezeichnet. Dabei kommen Seiten Wolfgang Vogels ans Licht die bisher so noch in keiner Fernsehdokumentation thematisiert wurden. 

Bildergalerie

Buch/Regie: Nina Koshofer

Regie Spielszenen: Pepe Pippig

Kamera: Jürgen Rehberg / Marc Riemer

Producer: Katrin Thomas

Produktionsleitung: Sascha Beier

Produzentin: Simone Baumann

Besetzung:
Thomas Rühmann als Wolfgang Vogel
Sina Kießling als Eva Vogel
Norbert Ghafouri als Reymar von Wedel
Anna Budde als Helga Fritsch
Philipp Lind als Manfred Vogel
Ralph Stieber als Karl-Heinz Brunk

Sendetermin: 27.07.2014, 20.15 Uhr, MDR FERNSEHEN

Fotos: Andreas Lander