Mechthild von Magdeburg - Eine Frau mit Visionen

Foto: Andreas Lander

Mechthild von Magdeburg. Bis heute ist diese religiöse Frau aus dem 13. Jahrhundert bekannt durch ihr Buch "Das fließende Licht der Gottheit", in dem sie ihre göttlichen Erfahrungen niederschreibt und das sie in Niederdeutsch, der Sprache des einfachen Volkes, verfasst. Mechthilds Buch gilt als das bedeutendste Beispiel der deutschsprachigen Mystik. Dabei schreibt sie nicht nur ihre Visionen auf, sondern auch Verhaltensweisen und Kritik an Mitbürgern. Aber nicht nur ihr Werk, auch Mechthilds Leben ist nicht alltäglich: als junge Frau verläßt sie die elterliche Burg, aber nicht um Ehefrau oder Nonne zu werden, sondern um ein Leben als Begine führen. Beginen sind fromme Frauen, die ein religiöses, keusches Leben führen, aber nicht hinter Klostermauern – sondern mitten in der Stadt. Zusammen mit anderen Beginen führen sie ein Leben nach Jesus Vorbild. Mechthild entscheidet damit, in einer Zeit, in der Frauen immer dem Willen eines Mannes (ob des Vaters oder des Ehemanns) unterstehen, über ihr eigenes Schicksal.

Magdeburg 1250: Der Film erzählt einen fiktiven Tag im Leben Mechthilds von Magdeburg. Dies ermöglicht einen Einblick in das Leben der mittelalterlichen Stadt: wie verdienen die Menschen in der Stadt ihr Geld? An was glauben sie? Vor was fürchten sie sich? Wie gehen die Menschen mit Krankheiten wie Lepra um? Und was sind die Neuerungen des 13. Jahrhunderts? Denn Mechthild lebt in einem Jahrhundert der Umbrüche: Während über Jahrhunderte lang die Gesellschaft von einem ländlichen Charakter geprägt ist, werden zwischen 1240 und 1300 in Europa jährlich etwa 300 Städte gegründet. Die Geldwirtschaft nimmt an Bedeutung zu und Städte werden zu reichen Handelsorten, in denen die Bürger um mehr Selbstbestimmung gegen ihre kirchlichen oder adeligen Stadtherren kämpfen. Besitz ist nun nicht mehr allein durch den unbeeinflussbaren Faktor der Geburt in einem hohen Stand festgelegt, sondern an die persönliche Leistung gekoppelt.

In der Kirche regt sich am Ende des 12. Jahrhunderts eine Bewegung, die sich dem einfachen Leben nach Jesus Vorbild zuwendet und Übermaß ablehnt. Vertreter sind die neugegründeten Orden der Franziskaner und Dominikaner, die sich im 13. Jahrhundert in allen großen Städten ansiedeln. Aber auch einfache Gläubige wollen verstärkt ein Leben in Frömmigkeit führen. So entstehen u.a die Beginen, zu denen auch Mechthild zählt. Welche Aufgabe übernimmt sie in der Stadt? Was gibt ihrem Leben halt? Und welchen Gefahren setzt sie sich als Begine aus? Denn nicht jeder steht einer Frau wie Mechthild positiv gegenüber. 

Bildergalerie

Buch/Regie: Gabriele Rose

Kamera: Torbjörn Karvang / Jürgen Rehberg

Producer: Katrin Thomas

Produktionsleitung: Sascha Beier

Produzentin: Simone Baumann

Besetzung:
Natascha Paulick als Mechthild
Michael Schrodt als Pfarrer
Rike Eckermann als Hedewig

Sendetermin: 30.08.2015, 20.15 Uhr, MDR FERNSEHEN

Fotos: Andreas Lander