Die Angst der Sieger vor der Heimkehr

Eine Dokumentation über die Repatriierung sowjetischer Kriegsgefangener und Zwangsarbeiter

Während zu Kriegsende im Mai 1945 amerikanische, britische und französische Soldaten rasch in ihre Heimat zurückkehren konnten und dort jubelnd empfangen und als Sieger gefeiert wurden, blickten mehr 2,1 Millionen sowjetische Bürger – Kriegsgefangene Soldaten der Roten Armee ebenso wie ZwangsarbeiterInnen und KZ-Überlebende, die sich auf dem Territorium des Deutschen Reiches befanden, einer mehr als ungewissen Zukunft entgegen. Denn obwohl sie zum Teil grauenvolle Leidensgeschichten hinter sich hatten, standen sie bei Stalin unter Generalverdacht, möglicherweise Verräter, Kollaborateure oder Spione für den Feind zu sein. Trotzdem oder gerade deshalb wollte Stalin ausnahmslos alle zurück haben, was für viele der Betroffenen einen alles andere als einen freundlichen Empfang in der Heimat bedeuten musste. Trotzdem stimmten Churchill und Roosevelt bereits bei der Konferenz von Jalta im Februar 1945 einem umfassenden Gefangenenaustausch zu. Mit einem enormen logistischen Aufwand brachten die Westallierten innerhalb eines knappen Jahres nach Kriegsende 1,8 Mio Sowjetbürger aus dem Westen Deutschlands an die innerdeutsche Demarkationsgrenze und übergaben sie an Sowjets. In zahlreichen so genannten Filtrationslagern in der sowjetisch besetzten Zone „überprüften“ der Geheimdiense alle „Heimkehrer“. Viele endeten in Straflagern des Gulag. Als es zunehmend zu – auch gewalttätigem – Widerstand beim Rücktransport der Sowjets durch die US-Armee an die Demarkationsgrenze kam, stellten die amerikanischen Behörden die Rückführungen im April 1946 ein Stellvertretend für hunderttausende Schicksale erzählt die Dokumentation im Detail die persönlichen Geschichten von 4 überlebenden Heimkehrern. Wie sie während des Krieges nach Deutschland geraten sind und wie es Ihnen dort erging. Vor allem aber, wie sie befreit wurden und wie sie ihre Rückkehr in die Sowjetunion erlebten. Und schließlich: was sie nach ihrer Heimkehr erwartete.

Lev Netto und Lev Frankfurt, zwei Soldaten der Roten Armee, die die Hölle deutscher Kriegsgefangenenlager durchlebten.

Ljudmila Kocherzhina, die als 7jähriges Kind zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt wurde.

Michail Rybschinski, ein sowjetischer Offizier, der nicht bereit war, mit der Deutschen Wehrmacht zu kollaborieren, deshalb ins KZ Mauthausen kam und dort aus dem Todesblock 20 floh.

Nach neuestem Forschungsstand waren etwa ein Drittel aller Heimkehrer unmittelbaren Strafmaßnahmen wie Arbeits- oder Straflager ausgesetzt. Aber auch jene, die davon verschont blieben, wurden über Jahrzehnte in der Sowjetunion als Bürger zweiter Klasse behandelt. Erst Anfang der 1990iger Jahre gab es unter Präsident Jelzin Ansätze von Rehabilitierung. Auch in den Archiven gab es für wenige Jahre Zugang zu den entsprechenden Aktenbeständen. Doch dieses „Tauwetter“ war rasch vorbei. Die Archive sind wieder verschlossen und von Aufarbeitung ist keine Rede mehr.

Buch und Regie: Andreas Gruber

Kamera: Peter Trinks, Robert Dinges, Martin Gressmann

Schnitt: Vasili Vikhliaev

Produktionsleitung: Sascha Beier

Producer: Denis Kliewer

Produzentin: Simone Baumann

Redaktion: Frank Kutter, MDR

Sendetermine: 10. Mai 2016, 21.55 Uhr ARTE