Exakt - Die Story - Achtung Blitzer! Das Geschäft mit den Radarfallen

Sie sollen zum vorsichtigen Fahren erziehen und damit Leben schützen, doch für die meisten Autofahrer sind sie nur ein Ärgernis: Geschwindigkeitskontrollen. Seit einigen Jahren machen neben der Polizei auch Kommunen Jagd auf Raser. Stendal erwischt Temposünder mit einem mobilen Blitzer und einer Blitzersäule. Halle hat drei stationäre und einen mobilen Blitzer und blitzt im Zweischicht-System- von 6 bis 22 Uhr. Die Landeshauptstadt Magdeburg konnte mit nur einem mobilen Blitzer in den vergangenen zwei Jahren fast 1,25 Millionen Euro einnehmen, Stendal verbuchte 2015 durch Bußgelder über 260.000 Euro, in Halle flossen 950.000 Euro ins Stadtsäckel - Tendenz steigend. Die Gelder, die durch Blitzer in die städtischen Haushalte einfließen, sind mittlerweile ein fester Posten im Etat. Viele Autofahrer fühlen sich da abgezockt. Auch Arnold Plickert von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisiert die Kommunen. Ihre Zusammenarbeit mit privaten Blitzerfirmen sei intransparent. Zudem sollten Bußgelder nicht in Stadtkassen fließen, sondern zweckgebunden für Verkehrsprojekte eingesetzt werden. Während Polizei-Blitzer in der Regel erst bei 14 km/h Überschreitung auslösen, stellen die meisten Kommunen ihre Geräte schärfer ein. Ist das Wegelagerei oder macht das die Straßen sicherer? 

„Das reine Blitzen und nachträgliche Versenden von Bußgeldbescheiden bringt gar nichts", sagt Karl-Friedrich Voss, Verkehrspsychologe. „Der Lerneffekt ist am Größten, wenn Raser vor Ort belehrt werden." Aus Protest gegen ihrer Ansicht nach ungerechtfertigte Blitzer wappnen sich nun die Autofahrer. So Benny Streu, der auf Facebook und auf seiner Internetseite vor Blitzern in Mitteldeutschland warnt. Der Vielfahrer dokumentiert die Standorte, er hat täglich gut zu tun. Wie die Blitzer nehmen die Einsprüche gegen die Bußgeldbescheide zu. Detlef Grube, Anwalt für Verkehrsrecht von "geblitzt.de", hat in diesem Jahr mehr als 5.000 Einsprüche betreut. Ein Drittel dieser Bußgeldbescheide seien falsch oder inhaltlich mangelhaft und somit anfechtbar. 

Wie genau sind die Messungen und wann lohnt sich Widerspruch? Wer profitiert am meisten von den vielen Radarfallen? Das "Exakt – Die Story"-Team ist auf Mitteldeutschlands Straßen unterwegs und hat mit Autofahrern, Vertretern von Kommunen und Experten gesprochen.

 

Buch/ Regie: Susann Rook

Kamera: Jörg Wagner, Konstantin Tanner, Peter Trinks

Schnitt: Andreas Gruner

Produktionsleitung: Sascha Beier

Producerin: Christiane Stürenberg

Redaktion MDR: Katrin Hartig/ Uta Kroemer

Sendetermin: 18.01.2017, 20.45 Uhr, MDR FERNSEHEN