Die Propagandabühne Dessau – Größenwahn in der Provinz

Die MDR-Dokumentation über ein einzigartiges Haus und seine ungewöhnliche Geschichte - über das Anhaltische Theater in Dessau. DDR-Diva Eva-Maria Hagen stand hier ebenso auf der Bühne wie Adolf Hitler oder die Schauprozess-Richterin Hilde Benjamin. Seit den 30er Jahren haben sich hier spannende und auch leidvolle Geschichten ereignet. Und immer war das Theater ein Spiegel seiner Zeit. Bis heute, wo das  Theater vor dem aus steht. ,,Zwei politische Diktaturen, die Bomben im Krieg – alles hat das Theater in Dessau überlebt’’, sagt Intendant André Bücker. ,,Jetzt droht im 21. Jahrhundert droht der Todesstoß mit dem Rotstift.’’ Heute kämpft das Riesentheater ums Überleben. 

Das Theater in Dessau ist ein einzigartiger Schauplatz der Geschichte. Die Planung für den monumentalen Bau hatte Adolf Hitler selbst abgezeichnet. Ein Haus der Superlative, so gross, dass erst die Nazis, dann die Kommunisten es als Propagadabühne nutzten. Erst die Nazis für Riesenaufmärsche. Dann zehn Jahre später, der erste große DDR-Schauprozess mit Hilde Benjamin.

Die Nazis hatten Dessau als Gauhauptstadt geplant, mit ähnlichen Monumentalbauten wie in der Hauptstadt. Deshalb ist das Theater so groß, 1500 qm Bühne, 1072 Sitzplätze. Doch tatsächlich gebaut wurde nur das Theater, denn nach 1939 flossen Geld und Material in die Kriegsführung.

Bei Bombenangriffen wurde Dessau zu 80 Prozent zerstört, auch das Theater bekam mehrere Treffer ab. 1946 war es das erste Haus in der Stadt, dass die Sowjetische Verwaltung wieder aufbauen ließ - als Propagandabühne für die noch junge kommunistische Republik. ,,Und das Unglaubliche ist: noch heute arbeiten wir mit der gleichen Technik, wie sie 1938 in Betrieb genommen wurde’’, sagt Helmut Uschmann, der als Technischer Direktor Herrscher über die 1500 qm-Bühne ist. ,,Das ist so gut durchdacht und nahezu wartungsfrei – als ob sie damals  für die Ewigkeit gebaut hätten.’’

In Dessau stand das größte Theater der DDR, für Inszenierungen wie ,,My Fair Lady" wurden tausende Zuschauer aus der ganzen Republik nach Dessau gebracht. Zehn Jahre lang waren die über 1000 Plätze nahezu immer ausverkauft, sicher auch wegen der Hauptdarstellerin, der DDR-Diva Eva-Maria Hagen. ,,Für mich war die Eliza damals die Rolle meines Lebens.’’

Hagen erlebte hinter den Kulissen in Dessau eine Liebesgeschichte mit Liedermacher Wolf Biermann, der ihr damals schrieb: ,,Du bist die Königin – und Deinetwegen wurde überhaupt das Landestheater Dessau erbaut.’’ Die Beziehung zu Biermann sollte Eva-Maria Hagen später zum Verhängnis werden. Als Biermann 1976 ausgebürgert wurde, war auch für Hagen Schluss, erst auf der Bühne in Dessau, dann musste auch sie raus aus der DDR.

Bekannt war das Theater vor allem aber als Austragungsort der nationalen Ballettwettbewerbe. Die mdr-Dokumentation ,,Der Osten ..." - eine spannende Spurensuche mit Zeitzeugen wie Eva-Maria Hagen, mit zum Teil unveröffentlichten Filmen und Fotos, und einem einzigartigen Blick hinter die Kulissen eines der größten Theaterhäuser Europas. 

Bildergalerie

Buch/ Regie: Michael Maack

Kamera: Frank Rothmann

Produktionsleitung: Sascha Beier

Redaktion: Katrin Hartig, Uta Krömer, MDR

Sendedatum: 20.05.14, 20.45 Uhr, MDR FERNSEHEN