Turnvater Jahn - Der Napoleonhasser

Als "Turnvater Jahn" ist er eine Legende, im Mai 2013 wurde Friedrich Ludwig Jahn in die "Hall of Fame des deutschen Sports" aufgenommen. Doch was den "Urahn aller Sportlehrer" antrieb, war nicht die körperliche Ertüchtigung zur Förderung der Volksgesundheit. 

Turnen war für Jahn Teil der patriotischen Erziehung zur Vorbereitung auf den Krieg gegen die napoleonische Fremdherrschaft. "Echt deutsche Männer" wollte Jahn ausbilden. Dafür gründete er schon 1810 seinen ersten Turnverein. Sein Hass auf Napoleon, auf alles "Welsche" und Jüdische, war so radikal nationalistisch, dass die Nazis ihn und seine Ideen später problemlos für ihre Propagandazwecke vereinnahmen und nutzen konnten.

Als 1813 vor den Toren Leipzigs die Völkerschlacht tobt, ist Friedrich L. Jahn mit seinen Anhängern unter den Reitern in schwarzer Uniform, als Bataillonskommandeur im Lützower Freikorps, das er mitaufgebaut hatte. "Sie haben sich in der schlimmsten Zeit um das Vaterland ein bleibendes Verdienst erworben", würdigt ihn der preußische Staatskanzler Freiherr von Hardenberg nach dem Sieg über Napoleon. 500 Taler Ehrensold als Leibrente bekommt Jahn sofort, die ihm nach neunjähriger Verlobungszeit endlich die Heirat mit Henriette Kollhof ermöglicht. Das versprochene Eiserne Kreuz bekommt er allerdings erst 26 Jahre später, nach sechs Jahren Festungshaft wegen "demagogischer Umtriebe" und Rehabilitierung durch den preußischen König ... 

Das abenteuerliche Schicksal des schon zu seinen Lebzeiten umstrittenen Friedrich Ludwig Jahn spiegelt die Konflikte in einer Zeit großer politischer Umbrüche. "Lebensläufe" beleuchtet die widersprüchliche Persönlichkeit und den Lebensweg des Tausendsassas Friedrich Ludwig Jahn: vom erfolglosen Schüler und Studenten, aktiven Burschenschaftler und Geheimbündler, "Turnvater" und mutigem Kämpfer gegen Napoleon, Häftling und Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung bis zu seinem Tod in Freyburg an der Unstrut.

Bildergalerie

Autor/ Regie: Dirk Otto

Kamera: Kai-Uwe Schulenburg

Schnitt: Marc Thomas

Produktion: Karsten Schünemann / Sascha Beier

Sendetermin: 17.10.13, 23:10 Uhr, MDR FERNSEHEN