DT64 - Rock´n´Roll und FDJ

Ein Hörfunkprogramm mit einem sperrigen Namen, mitten im kalten Krieg, unter der Aufsicht engstirniger Parteibürokraten – wie konnte daraus eine Kultsendung werden? Darauf gibt es keine einfache Antwort. Aber offenbar haben es die Radiomacher trotz aller Gängelei und der Konkurrenz aus dem Westen immer geschafft, zu ihren Hörern durchzudringen.

Gegründet wurde der „Sender für 99 Stunden“ vor 50 Jahren eigens für das Deutschlandtreffen zu Pfingsten 1964. Man wollte weltoffen wirken und auch die 25.000 jungen Leute aus dem Westen beeindrucken. Das ist gelungen. Noch mehr Wirkung aber erzielten die im Radio bis dahin nie gehörten Klänge von Beat und Rock‘ n Roll bei den Hörern im Osten. Sie wollten sich das Sonderstudio DT64 auch nach der Propagandaveranstaltung in Berlin nicht mehr nehmen lassen.

Da traf es sich gut, dass die Partei kurz vorher zu mehr Vertrauen in die „Hausherren von Morgen“ aufgerufen hatte. DT64 wurde als reguläres Nachmittagsprogramm des Berliner Rundfunks fortgesetzt.

Lockere Sprache, coole Mucke (die damals natürlich noch lässige Musik hieß) im Mittschnittservice, tatsächliches Eingehen auf die Wünsche der jungen Hörer - all das machte DT64 irgendwie besonders. Dazu kommt: Der Hörfunk wurde nicht ganz so streng überwacht, wie andere Medien. Schnelle rutschte das Lied einer „verbotenen Band“ oder ein flapsiger Kommentar zu Politik unter dem Radar von Partei und FDJ hinaus in den Äther.

Spätestens in den Wendejahren wurde der inzwischen zum Vollprogramm ausgebaute Jugendsender DT64 zum Sprachrohr der Jugendlichen aus der einstigen DDR. Diese identitätsstiftende Rolle konnte kein Westsender übernehmen. Radiomacher und Hörer teilten dasselbe Schicksal. Keiner wusste genau, wo die Reise hingeht.

Zur Abschaltung des Senders sollte sie jedenfalls nicht führen. Allein in Dresden gingen über 10.000 Leute auf die Straße, um für Ihren Sender zu kämpfen. Allerorten gründeten sich Freundeskreise, die den Protest bis in den Bundestag nach Bonn trugen.

DT64 wird seit 1993 wird als MDR-Jugendwelle unter dem neuen Namen "MDR-Sputnik" weitergeführt.

Die MDR-Dokumentation zeichnet den widersprüchlichen Weg des einstigen Jugendsenders nach. Ehemalige Redakteure, Musiker, Hörer und Konkurrenten aus dem Westen erinnern sich an Ihre Zeit mit DT64.

Ausstrahlung am Sonntag, 11. Mai um 22.05 Uhr im MDR FERNSEHEN

Bildergalerie

Buch/ Regie: Stephan Kühnrich

Kamera: Thomas Lütz

Recherche: Karsten Schünemann

Produktionsleitung: Sascha Beier

Produzentin: Simone Baumann

Redaktion: Steffen Keitel, MDR

Fotos: Stephan Kühnrich, Joachim Dresdner, Marco Dausel, DRA

 

Sendetermin: 11. Mai 2014, 22.05 Uhr, MDR FERNSEHEN