Ans Licht

 

Saxonia Entertainment dreht GMD-Folge über Manfred von Ardenne


Der Weg zum Drehort gleicht einem Abenteuer. Die Regieassistentin geht voran, sie hat die Aufgabe, Komparsen und Presseleute zum Set zu führen. Man solle aufpassen, der Boden sei uneben, die Decken niedrig. Zu sehen ist das kaum. Hier gibt es keine Fenster, die Lampen schummern spärlich… Dann Licht. Aus einem ganzen Arsenal von Scheinwerfern. Techniker richten die Lampen auf die Schauspieler, die auf Kisten zwischen ganzen Bergen alter Technik sitzen – auf einem stillgelegten Fließ- band. Kameramann und Regisseur rufen Anweisungen durch den Keller, es hallt von den angegrauten Kacheln. Die Saxonia Entertainment dreht für die MDR-Erfolgsserie Geschichte Mitteldeutschlands (GMD) oft an außergewöhnlichen Orten, aber das hier dürfte unübertroffen sein.

Die Schönheit im Detail

Dabei war die Filmfabrik in Wolfen für Regisseur André Meier eine naheliegende Location. „Einerseits ist sie im Sendegebiet, andererseits ist sie stillgelegt und ein Museum“, beschreibt Meier die Vorzüge des Drehortes. Und für die Beleuchter hat der fensterlose Keller auch seine Vorteile, unberechenbares Sonnenlicht gibt es hier nicht.

Eine Szene aus dem Leben des jungen Manfred von Ardenne soll aufs Band, die Crew arbeitet konzentriert. Die Ardennes haben etwas zu feiern und trinken Sekt. Bald geht es aus dem russischen Kellerlabor nach Hause ins Nachkriegsdeutschland. Die Anzahl der Takes ist schon deswegen begrenzt, weil die Darsteller später noch vor der Kamera Tennis spielen sollen, winzige Schlucke werden also getrunken … Meier legt Wert aufs Detail, die Eleganz beim Einschenken, das Sprudeln im Glas. Er ist, sagt er, ein Freund stiller und kleiner Bilder. „Ausschnitte, in denen einfach über sprudelnden Sekt erzählt wird, was sonst zehn jubelnde Russen im Hintergrund bewerkstelligen müssten.“

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Und so erzählt er unaufgeregt ein aufregendes Leben: Der Weg des Erfindergenies Ardenne durch die Jahrzehnte und politischen Systeme, die Konflikte und Widersprüche, in die er verwickelt wurde oder sich selbst verwickelte, das Balancieren zwischen Anpassung und Eigenständigkeit, seine unbestrittenen Verdienste für die Wissenschaft und der Preis, den er dafür auch zahlte. In der Ulbricht-Ära war Manfred von Ardenne der Vorzeigewissenschaftler des Regimes - hofiert, mit Preisen überhäuft und als Ratgeber des SED-Chefs wohlgelitten. Auch später blieb Ardennes Sonderstellung zumeist unangetastet. Hoch über Dresden kündete Ardennes Villa auf dem Weißen Hirsch von der vermeintlichen Möglichkeit, einer genormten und reglementierten Gesellschaft zu trotzen.

Spekuliert wurde über den Wert seiner wissenschaftlichen Arbeit ebenso wie über das Maß der Privilegien, die ihm die Mächtigen gewährten. Meier, der nicht nur Regisseur, sondern auch Autor der GMD-Folge über Manfred von Ardenne ist, zeigt in seinem Film einen der letzten Universalgelehrten in  seiner ganzen Widersprüchlichkeit. Der Film wird am 10. Oktober im MDR FERNSEHEN gezeigt.  

 

Pressemitteilung © SAXONIA ENTERTAINMENT GmbH 7/2010