Lebensretter mit Sven Voss - Thema: Gefägnisausbruch

Quelle: BStU

Frankfurt/Oder, 20.09.1981: In der Untersuchungshaftanstalt der Volkspolizei geschieht etwas für die DDR Ungeheuerliches: Vier Häftlinge überwältigen und entwaffnen ihre Wärter, die gerade ihre Schicht beginnen. Die Gefangenen flüchten, nehmen zwei Vollzugsbeamte der Untersuchungshaftanstalt als Geiseln, versuchen vergeblich verschiedene Autos aufzubrechen und werden schließlich von einer Polizeistreife aufgehalten. Volkspolizist Gerhard Retzlaff versucht, die Ausbrecher zu beruhigen. Einer der Häftlinge verliert die Nerven und schießt Retzlaff nieder, der seinen Verletzungen später erliegt.

Nun suchen die vier einen anderen Weg und laufen zu dem Hochhaus in der Karl-Marx-Straße 23 und versuchen, sich im Keller zu verstecken. Doch dann müssen sie erkennen, dass sie dort gefangen wären. Sie flüchten in die dritte Etage und klingeln bei Bärbel Seidel. Sie suchen ein Telefon, nur Bärbel Seidel besitzt keins und verweist auf den Hausmeister in der 5. Etage. Die Häftlinge stürmen die zwei Etagen hoch, überwältigen den Hausmeister und rufen bei der Volkspolizei an. Dort schiebt Gerhard Rozanowske in der Leitstelle Dienst und muss nun mit den Ausbrechern verhandeln. Er alarmiert auch die Frankfurter Feuerwehr, die mit den Kameraden Reinhard Jantke, Gerhard Eib und Manfred Mattschey unter Bewaffnung ausrückt. Selbst die Zollangestellten an der damals geschlossenen deutsch-polnischen Grenze um Wolfgang Knothe sind in heller Aufregung. Auch Wolfgang Mücke von der Kriminalpolizei ist nun vor Ort und erhält den Auftrag, mit den Geiselnehmern zu verhandeln. Doch inzwischen ist eine Spezialeinheit der Staatssicherheit vor Ort und beendet den Gefängnisausbruch mit Waffengewalt nach ungefähr sechs Stunden.

In den umliegenden Häusern werden viele Zivilisten wie Hans-Rainer Paulke oder Andreas Schneider Zeugen des Geschehens.

Magdeburg ist in den 80-er Jahren nicht nur eine prosperierende Industriestadt, sondern auch ein großer Garnisonsstandort der Sowjetarmee. Zehntausende von Sowjetsoldaten leben isoliert von der Bevölkerung hinter den Kasernenmauern - unter zum Teil menschenunwürdigen Bedingungen. Immer wieder kommt es deshalb zu Zwischenfällen mit der Bevölkerung, wenn sowjetische Soldaten versuchen zu fliehen – so wie am 12.02.1982:

An diesem Tag erhält der sowjetische Fähnrich Michail Leonidowitsch Krupsky einen Abschiedsbrief seiner Verlobten. Der junge Mann sieht nur einen Ausweg und flieht. Er schießt sich den Weg frei und schlägt sich gegen den Widerstand seiner sowjetischen Verfolger bis in das Klubhaus Magdeburg-Friedensweiler durch, in dem sich zu diesem Zeitpunkt 80 Diskogäste aufhalten. Die Magdeburger Kriminalpolizisten Lothar Schirmer und Michael Truthmann sind vor Ort – gemeinsam mit Sowjetsoldaten und KGB-Angehörigen. Klubchef Uwe Bösel und die Disko-Besucher Andrea Bensch und Dirk Schulenburg erleben hautnah, wie der flüchtige Sowjetsoldat in der Diskothek eine Handgranate zündet.

Moderation Sven Voss