Lebensretter - Thema: Tornados

Quelle: Thüringer Allgemeine

Sendung: 26.05.2016 um 20.15 Uhr im MDR 

Prestewitz - Es ist der 24. Mai 1979, Himmelfahrt. Die vorsommerliche Idylle wird am frühen Abend in den Dörfern der Niederlausitz zerstört – von einem der stärksten Tornados, der je über Deutschland hinweg gezogen ist: Mit einer Geschwindigkeit von 335 Stundenkilometern fegt er über das Land. Allein in Prestewitz zerstört er 36 Grundstücke. Der Tornado wirbelt sogar 10 Tonnen schwere Mähdrescher durch die Luft. Der mühsam aufgebaute Dreiseitenhof von Ehepaar Klaus und Evelin Gordner liegt mitten in Prestewitz. Gerade hilft ein Freund den Gordners beim Schweißen des Hoftores, als der Tornado aus dem Nichts auftaucht. Die Männer sehen den Wirbel mit rasender Geschwindigkeit auf sich zukommen und versuchen zu fliehen… 

Wenige Kilometer entfernt in Schönborn ist auch Familie Pfefferkorn dabei, das Haus zu renovieren. Annemarie Pfefferkorn traut ihren Augen nicht: ihr Mann wird vom Tornado auf einem Mauerstück meterweit davon getragen. Das Haus der Pfefferkorns wird zerstört. Als Annemarie Pfefferkorn zu sich kommt, will sie nur eines wissen: Wo ist ihre Tochter?

Quirla - Es ist spät am Abend des 1. Oktober 2006. Im thüringischen Örtchen Quirla deutet nichts  darauf hin, dass das Neubaugebiet „Zum Rührlöffel“ in dieser Nacht dem Erdboden gleich gemacht wird: Daniel Wittig ist in dieser Nacht bei Freunden zum Karten spielen. Als der Notruf bei dem freiwilligen Feuerwehrmann eingeht, denkt er sich nichts Böses. Nichtsahnend fährt er „Zum Rührlöffel“. Er wohnt dort, ist dort aufgewachsen. Doch als er daheim ankommt, findet der junge Mann ein Meer von Trümmern vor:  Über 70 Feuerwehrleute und 50 Retter sind im Einsatz. Dächer müssen gesichert, Häuser durchsucht werden. Sind irgendwo Menschen gefangen? Die Männer der Feuerwehr suchen stockdunkler Nacht alles ab. An einer Waldlichtung finden die Kameraden ein Auto. Nachtangler haben an einem nahegelegenen See Quartier bezogen. Nun steht das Auto verlassen im Wald und von den Anglern fehlt jede Spur. Es beginnt eine fieberhafte Suche nach den vermissten Männern.

Großenhain - Der 24. Mai 2010. Um 16:00 Uhr zieht  sich eine Gewitterzelle quer über Sachsen. Doch in der dunklen Wand entwickelt sich ein Tornado. Die Katastrophe kommt für die Menschen völlig überraschend. Viele verlieren an diesem Nachmittag ihr Zuhause. So auch Familie Teichmann. Die Teichmanns haben sich 13 Jahren zuvor einen Bauernhof gekauft und mit viel Eigeninitiative ausgebaut – in der Nähe von Großenhain. Als der Tormado kommt, liegt Christiane Teichmann gerade in Riesa im Krankenhaus. Drei Tage zuvor hat sie entbunden. Eigentlich will sie mit der kleinen Ellen an Pfingsten nach Hause kommen. Die Sachen sind schon gepackt, da erhält die junge Mutter einen Anruf von ihrem Mann: sie soll bloß im Krankenhaus bleiben. Als Christiane Teichmann dann einige Tage später doch heimkehrt, findet sie den kompletten Hof zerstört vor. Die kleine Ellen hat kein Zuhause mehr. Für die Retter ist diese Katastrophe eine unglaubliche Herausforderung. Viele Einwohner sind verletzt, etliche stehen unter Schock. Hunderte Retter gehen Pfingsten 2010 an ihre körperlichen und seelischen Grenzen und darüber hinaus.

Moderation Sven Voss