Neue Serie ab 2012: Seen auf dem Dach der Welt

Ein Owo - gläubige Buddhisten umrunden sie drei Mal

Unser Autor Stephan Kühnrich ist in der Mongolei unterwegs. Für die 5teilige Dokumentation "Seen auf dem Dach der Welt" entdeckt er dort den Uvs Noor - einen der Seen mit dem interessantesten Wetter der Welt. Was er dort u. a. erlebt, hat Stephan Kühnrich für uns aufgeschrieben. Lesen Sie selbst.

Dienstag, 16.08.

Nach gefühlten 20 Stunden Flug kommen wir um 06:00 Uhr morgens endlich in Ulan Bator an. Keiner von uns will wahrhaben, dass wir in Wirklichkeit nur reichlich acht Stunden in der Luft waren. Der Eindruck, die Nacht verpasst zu haben und eiskalte vier Grad auf dem Rollfeld drücken auf die Stimmung. Dazu kommt das irrationale Vorgehen des mongolischen Zolls. Kameras, Optiken und Stative gehen anstandslos durch. Nicht aber die drei Blechkisten, in denen sich das Zubehör befindet. Unser Ortsproducer Bagy braucht den ganzen Tag, um die Kisten mit aus dem Zolllager zu befreien.

Mittwoch, 17.08..

Heute geht es mit einem schicken Flieger aus britischer Produktion ins westmongolische Ulaangom. Ulaangom ist das Provinzzentrum am Uvs Nuur. Hier ist die Modernisierung nicht ganz so weit fortgeschritten, wie in Ulan Bator. Leider ist auch die Bürokratie ein wenig hinter der Zeit. Wir brauchen eine Genehmigung des Umweltministeriums aus Ulan Bator für die Dreharbeiten. Baby, unser mongolischer Producer wird sie morgen besorgen. Inzwischen drehen wir einige interessante Studien in der Stadt. Im Zentrum des Filmes soll die Frage nach den klimatischen Extremen des Sees stehen. Leider verläuft die erste Begegnung mit den örtlichen Meteorologen unerfreulich. Sie sind schlicht alle betrunken. Unser Wunschprotagonist fällt sogar vom Stuhl. Bagy ist das mehr als peinlich. Er will eine Meteorologin suchen. Frauen sollen zuverlässiger sein.

Donnerstag, 18.08.

Wir haben uns entschieden, den westlichen Teil des Sees zuerst zu drehen. Der erste Blick auf den See ist überwältigend. Er sieht aus wie ein Meer. Das nordöstliche Ufer ist nicht zu sehen. Der Uvs Nuur befindet sich in einer Senke zwischen den Bergen. In der Uferregion sammelt sich Wasser, das grüne Inseln in der braunen Steppe schafft. Obwohl die Mongolen ansonsten keine Ackerbauern sind – diese Gelegenheit lassen sie sich nicht entgehen. Mit riesigen Sensen ernten sie den seltenen Reichtum an grünen Gräsern als Futtervorrat für den langen und harten Winter. In der Abendstimmung mit langen Schatten ist das eine schöne Szene.

Freitag, 19.08.

Wir fahren auf einer beinahe anständigen Straße zum nordwestlichen Ende des Sees in eine kleines Dorf namens Dawst. Mitten in der Steppe mit einem schönen Blick auf dem See schlagen wir unser Lager auf. Unsere mongolischen Begleiter haben drei kleine Gers (so heißen die Jurten der Mongolen) mitgebracht. Obwohl unser Lager sehr weit von den nächsten Nachbarn entfernt ist, will uns jeder in der Gegend kennenlernen. Binnen weniger Stunden kennen wir alle Leute im Umkreis von 30 Km. Zu den wirklichen Entdeckungen gehört Batsuch Surenjaw. Er ist Wildhüter im „Uvs-Nationalpark“ und verspricht uns für morgen einen Ausflug zum schönsten Platz am Uvs Nuur.

Sonntag, 21.08.

Direkt am See stehen einige Gers. Das gibt stimmungsvolle Bilder, die das Leben der mongolischen Nomaden zeigen. Später drehen wir eine Geschichte vom Ziegen melken. Mit Seilen werden die Ziegen zu Doppelreihen zusammengebunden. Danach genügt ein Zug am Seil um alle mit einem Mal zu befreien. Wie dicht hier Tradition und Moderne zusammenhängen, erfahren wir von der Ziegenmelkerin. Sie ist nur in den Ferien hier. Ansonsten besucht sie das Gymnasium in Ulaangom. Sie will später Ärztin werden.

Montag, 22.08.

Das Seeufer ist sehr vielgestaltig. Sumpf, Steppe, Sandwüste. Es gibt sogar bewaldete Abschnitte. Leider ist es fast unmöglich, Wald und See in einem Bild zu zeigen, da die Uferregion sehr unwegsam ist. Ein Berg am See weckt unser Interesse. Wir finden sogar einen Weg, ihn mit dem Auto zu erklimmen. Leider wird dabei ein Reifen von messerscharfen Steinen regelrecht zerfetzt.

Dienstag, 23.08.

Wir haben tatsächlich eine Meteorologin gefunden, die sich viel Mühe gibt, all unsere Filmwünsche zu erfüllen. Thermometer, Barometer, Hygrometer und Solarmessegeräte – alles liest sie geduldig fünf oder sechs Mal ab. Außerdem kann sie viel erzählen über das extreme Klima am See. Minus 56,8 Grad hat sie selbst schon einmal gemessen. Am Seeufer überrascht sie uns mit einer mobilen Wetterstation aus der DDR.

Mittwoch, 24.08.

Im buddhistischennn Kloster von Ulaangom lassen wir uns über die spirituelle Bedeutung des Uvs Nuur aufklären. Die Mönche wollen das vor der Kamera aber nur zu dritt tun. Am Nachmittag wollten wir eigentlich die schneebedeckten Viertausender der Region fotografieren. Aber einige Jaks halten uns ein wenig auf. Dazu kommt eine Familie mit zwei süßen Kindern in traditionellen Trachten, eine Kamelherde, ein im Fluss steckengebliebener Lastwagen... Zum Schluss versuchen wir, mit voller Ausrüstung einen viel zu hohen Berg zu besteigen. Kurz: Wir haben die geplanten Bilder nicht bekommen – dafür aber viele andere, die wir hätten unmöglich organisieren können.

Sendetermin: 2012

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