Seen auf dem Dach der Welt - Tagebucheindrücke

Für den Autor Stephan Kühnrich ging das Abenteuer im Mai 2011 los. Seitdem besucht er für die 5teilige Dokumentationsreihe "Seen auf dem Dach der Welt", produziert von der SAXONIA ENTERTAINMENT, Asiens beeindruckende, glasklaren und tiefblaue Bergseen: den Issyk Kul in Kirgistan, den Markakol in Ostkasachstan, den Nam Co in Tibet, den Uvs Noor in der Mongolei und den Karakul in Tadschikestan. Es ist eine Abenteuerreise durch Asien, an der uns Stephan Kühnrich mit eigenen Tagebucheindrücken teilhaben lässt:

Markakol

Sonntag, 29.05.

Mit dem Auto fahren wir über die kirgisisch-kasachische Grenze. Das geht unerwartet schnell. Vor allem, weil sich die kasachischen Zöllner weigern, uns irgendwelche Papiere für die Technik auszustellen. Wir haben den ganzen Abend, um unser übernächstes Projekt zu diskutieren. Besonders problematisch wird dort die lange Anreise mit dem Auto sein. Und rund um den See geht es nur zu Fuß.

Montag, 30.05.

Mit dem Flugzeug geht es heute von Almaty nach Ust Kamenogorsk. Zu nächst wollte man uns nicht erlauben, die Kamera mit in die Kabine zu nehmen. Wie immer in Kasachstan ging es am Ende doch.

Unser Producer Andrej holt uns vom Flughafen ab. Allerdings war sein Minibus schon ohne uns beinahe voll. Er hatte bereits Lebensmittel, Ausrüstung und Benzin für unseren Trip zum Markakol an Bord.

Dienstag, 31.05.

Um 07:00 Uhr machen wir uns im vollbepackten Bus auf den Weg zum Markakol. Schon 100 Kilometer hinter Ust Kamenogorsk wird die Straße so schlecht, dass wir nur noch sehr langsam vorankommen. Unterwegs drehen wir Bilder von der Annäherung an den See. Das interessanteste finden wir an der chinesischen Grenze. In Kasachstan ist dort alles grün. Buchstäblich einen Meter hinter der Grenze beginnt eine gewaltige Sandwüstenlandschaft. Als wir schließlich nach 12 Stunden schrecklicher Rüttelei in die Berge des Altaigebirges fahren, fängt zu allem Überfluss das Kühlwasser an zu kochen. Um überhaupt weiterfahren zu können, kippen wir unser gesamtes Trinkwasser in den Kühler. Als wir im Licht der untergehenden Sonne schließlich den See blinken sehen, sind wir erleichtert.

Freitag, 03.06.

Morgens haben wir uns wieder mit Oleg verabredet. Im Film wird er unsere Mann vom Nationalpark sein. Am Nachmittag fahren wir die drei Kilometer, die man mit dem Auto um den See fahren kann, um einige weitere Landschaften zu drehen.

Samstag, 04.06.

Wir fahren heute mit dem Motorboot zum westlichen Ende des Sees. Hier gibt es einen Abfluss in Richtung Irtysch. Wegen der Laichzeit gilt eigentlich ein generelles Fischfangverbot. Das gilt aber nicht für den Oligarchen, der mit dem Hubschrauber zum Fischen einfliegt. Wir entschließen uns, auch einige Bilder vom Fischen zu drehen. Dreimal wirft der Geologe Andrej, den wir noch auf einer Expedition begleiten werden, die Angel aus. Dreimal zieht er stattliche Exemplare an Land. Im Unterschied zum Oligarchen und seiner Mannschaft setzen wir die Fische aber wieder ins Wasser. Auf der Heimfahrt halten wir in einem Dorf, dass nur übers Wasser oder zu Pferde erreichbar ist. Es gibt weder Strom noch Telefon. Gäbe es nicht einzelne Sonnenkollektoren und Satellitenschüsseln, sähe es ganz uns gar aus wie im 17. Jahrhundert. Am Nachmittag kommt Regen auf. Auf der Rückfahrt im Boot sehen wir uns plötzlich zwei Meter hohen Wellen gegenüber. Unser Bootsführer steuert einigermaßen in Panik das Ufer an. Bei dem vier Grad kalten Wasser würden wir ein Kentern nicht überleben. Am Ufer warten wir drei Stunden, bis der Sturm sich legt. Dennoch sind wir klatschnass und durchgefroren als wir am späten Abend in Urunchaika ankommen.

Montag, 06.06.

Unser Trip in die Berge muss ausfallen. Im strömenden Regen drehen wir eine kleine Geschichte im Dorfladen, wo sich Andrej und unser Pferdebesitzer Fjodor mit Allem Nötigen für die Reise eindecken.

Dienstag, 07.06.

Wir haben entschieden, trotz des schlechten Wetters mit den Pferden in die Berge zu gehen. Gegen Mittag stellt sich heraus, dass das richtig war. Die Sonne lässt sich ab und zu sehen. Wir drehen Bilder, die aussehen als hätte sich Winnetou verirrt. Dazu ein schönes emotionales Interview mit Andrej. Danach verweigert die Kamera den Dienst. „Error 95-101“. Wir drehen die Abendstimmungen mit Lagerfeuer und Gesprächen beim Tee mit der kleinen Panasonic und hoffen, dass der Qualitätsabfall im Dunklen nicht so auffällt.

Mittwoch, 08.06.

Wir öffnen die Kamera und entfernen fast alle Platinen. Um Alles wieder an seine Platz zu setzen, machen wir Fotos von jedem Schritt. Nach dem Zusammenbau gibt es einen Aufschrei der Erleichterung. Die Kamera läuft wieder. Wir können weiterdrehen. Sofort planen wir den nächsten Tag eine Bootsfahrt mit Andrej. Wir werden ihn zur Hauptfigur des Filmes machen.

Freitag, 10.06.

Franz und ich veranstalten in einem hügligem Gelände so etwas wie eine Treibjagt, um die Tiere vor die Kamera zu bekommen. Das erweist sich als sehr schweißtreibend. Tatsächlich gelingen uns dabei aber einige schöne Aufnahmen des seltenen Tieres.

Samstag, 11.06.

Uns gelingt ein Bild von der Fahrt über eine spektakuläre Brücke. Dann zeigt die Kamera wieder den Fehler „95-101“. Unsere einzige Hoffnung besteht nun darin, in unsere Hütte zurückzukehren, und die einmal erfolgreiche Reparatur zu wiederholen. Das schlägt leider fehl.  Für den Nachdreh in Kirgistan bekommen wir eine neue Kamera. Wie wir hier einen Film zusammenbekommen, wissen wir noch nicht. Wir beschließen, den Rest der Reise in Kasachtsan als Recherche zu nehmen und mit der kleinen Panasonic so viel wie möglich zu drehen. Vielleicht kann man ja einiges verwenden.

Sonntag, 12.06.

Am frühen Morgen machen wir uns auf den Weg zum Saisansee. Die Fahrt über abenteuerliche Feldwege scheint wieder endlos. Auch eine Landschaft, die an exotischer Schönheit nicht zu überbieten ist, entschädigt uns nicht wirklich. Lehmsteinformationen in weiß, rot und gelb. Wir kommen uns vor, als hätten wir den Farbfilm vergessen.

Montag, 13.06.

Wir fahren heute den ganzen Tag zurück nach Ust Kamenogorsk. Das Wetter ist zu schlecht zum Drehen. In einem wilden Gewitter mit Hagel und Sturm platzt ein Vorderreifen unseres Busses. Als wir klatschnass mit der Reparatur fertig sind, können wir aber schon wieder lachen über die Streiche, die uns das Schicksal spielt.

Dienstag, 14.06.

Wir nutzen unseren letzten Drehtag für einem Ausflug zum „kasachischen Stonhenge“. Unser Geologe Andrej läuft noch einmal zur Hochform auf, als er uns die Bedeutung der steinzeitlichen Kultanlage erklärt. Das wird einer der Höhepunkte unserer Annäherung an den See sein.