Seen auf dem Dach der Welt

Seen auf dem Dach der Welt:

Tagebucheindrücke aus Kirgistan
Für den Autor Stephan Kühnrich ging das Abenteuer am 14.05.2011 los. Zusammen mit den Kameraleuten Anatoly Rudakow und Anton Koposow machte er sich auf nach Kirgistan und Kasachstan. Für die 5teilige Dokumentationsreihe „Seen auf dem Dach der Welt“, produziert von der Saxonia Entertainment für den MDR, besuchte Stephan Kühnrich dort zwei von Asiens beeindruckenden, glasklaren und tiefblauen Bergseen: den Issyk Kul in Kirgistan und den Markakol in Ostkasachstan. Diese Reise ist die erste Etappe, denn zwischen Juli und September wird das Team auch die schönsten Bergseen in Tadschikistan, der Mongolei und in Tibet besuchen. Es ist eine Abenteuerreise durch Asien, an der uns Stephan Kühnrich mit eigenen Tagebucheindrücken teilhaben lässt:

15.05.11

Fünf Uhr morgens angekommen. Der Flughafen renoviert aber das Personal ist noch das alte. Eine Mischung aus Gleichgültigkeit und Bürokratismus. Immerhin haben wir die Zollformalitäten in weniger als einer Stunde erledigt. Auf der Fahrt in die Stadt zeigen sich die Berge Asiens in voller Schönheit.

Montag, 16.05.

Wir haben entschieden, schon heute zum Issyk Kul

aufzubrechen. Das Beladen des Autos ist eine echte Herausforderung. Wir haben definitiv zu viel Gepäck für den Minibus. Zum Glück können wir einige Sachen in Bishkek lassen. Die Fahrt ist wie immer ein Erlebnis, das enge Tal und der Fluss in der Tiefe lassen uns die Strapazen vergessen, die wir mit unseren 20 Gepäckstücken auf dem Wege hatten.

Nachts erreichen wir Tscholpon Ata. Zum Drehen war es schon zu dunkel, als wir den Issiyk Kul zu ersten Mal sahen. Dennoch

hat der Vollmond, der sich auf der bleiernen Wasseroberfläche spiegelte uns in der Hoffnung bestärkt, dass uns außergewöhnliche Aufnahmen gelingen werden.

Mittwoch, 18.05.

Regen. Die Berge sind ganz in Wolken gehüllt. Wir versuchen dem bleigrauen Wasser ein paar gute Seiten abzugewinnen. Wir drehen in halbwegs gutem Licht einige grasende Pferde direkt am See. Und wir finden finden schließlich einen ehemaligen Fischer, der uns am Samstag mit zum Angeln nimmt.

Freitag, 20.05.

Es hat die ganze Nacht geregnet. Die Wolken scheinen bis in den See zu hängen. Wir entscheiden, zum Ostende des Issyk Kul zu fahren, um die Artefakte aus der sagenhaften versunkenen Stadt zu sehen. Wir treffen dort den Geschichtslehrer Kuwan Imanaliew. Er hat die meisten Zeugnisse vergangener Kulturen aus dem Issyk Kul geholt. Geschirr,

Münzen, Kultgegenstände – manche über zweitausend Jahre alt. Als es für kurze Zeit aufklart, schaffen wir es, eine kleine Szene mit Ihm am Ufer des Sees zu drehen.

Samstag, 21.05.

Der Tag beginnt tatsächlich mit einem echten

Bilderbuchwetter. Aus unserem Fischer sind zwei geworden. Sie angeln mit einer seltsamen Methode. Angelschnüre werden an Styroporstücken befestigt und über Bord geworfen. Nach einigen Stunden wird der

Fang eingeholt. Heute fällt er bescheiden aus: vier eher kleine Forellen. Dafür erzählen die beiden sehr interessante Dinge über die Geheimnisse des Issyk Kul.

Dienstag, 24.05.

Bei schönem Wetter fahren wir in die Berge, um den Weg des Wassers filmisch umzusetzen. Mit einem Skilift geht es auf 3.200 Meter. Leider sind die Berge zunächst in Nebel gehüllt. Der Plan, ein anderes Mal

wiederzukommen wird verworfen. Zum Glück hat sich das Warten gelohnt. Der Nebel hat sich verzogen. Die Gipfel zeigen sich in voller Schönheit. Auch Bäche und Flüsse können wir bei schönem Wetter drehen.

Mittwoch, 25.05.

Eine kirgisische Großfamilie hat uns in eine Jurte am Issyk Kul eingeladen. Der Himmel ist bedeckt. Für unseren heutigen Dreh sollte das eigentlich kein Problem sein. Der dann aufkommende Sturm vereitelt dann

aber beinahe den Aufbau der Jurte. Dazu kommt Regen, der die Landschaft in undurchsichtiges Grau taucht.Da sich gestern das Warten gelohnt hat, geben wir auch heute nicht auf. Tatsächlich wird der

Himmel irgendwann heller, und wir können ein schönes Stück der nationalen kirgisischen Kultur einfangen. Es wird gekocht, gegessen, erzählt und gesungen - garniert von Bildern in satten Farben.

Donnerstag, 26.05.

Wir ziehen um ans Südufer. Auf dem Weg dahin schrauben wir uns auf einer Pasststrasse bis auf 4.000 Meter hinauf. Hier sind Wasserfälle und kleine Seen, die den Issyk Kul speisen, noch teilweise gefroren. Bevor die Berge sich wieder in Nebel hüllen, können wir sie in ihrer vollen Schönheit fotografieren. Am Abend kommen wir in einer Art Regierungsdatscha an. Ich schlafe im Zimmer des Verteidigungsministers. Es sieht aber eher wie das von Madame Pompadour aus.

Samstag, 28.05.

Gemeinsam mit den Produzenten haben wir entschieden, den Dreh am Issyk Kul um vier Tage zu verlängern. Franz, unser Fahrer Iwan und ich werden das ohne weitere Unterstützung schaffen. Eine gute Geschichte mit Pferden in den Bergen wird den Film abrunden.

Voraussichtlicher Sendetermin: Anfang 2012

... zur Produktion Seen auf dem Dach der Welt