Vom Spaß, wissen zu wollen

Geschichte Mitteldeutschlands von der Saxonia Entertainment im zwölften Jahr erfolgreich

Topquote zur Topsendezeit: Die Geschichtsdoku-Reihe „Geschichte Mitteldeutschlands“ aus dem Hause Saxonia Entertainment zeigt, wie mit anspruchsvollen Filmen große Zuschauerzahlen erreicht werden können. Die diesjährige Staffel betreut  noch einmal Projektleiterin Winifred König,. Danach kehrt sie  als Redaktionsleiterin „Literatur, Musik, Theater, Talk“  ganz in den MDR zurück. Im Interview spricht sie über das Erfolgsgeheimnis von „Geschichte Mitteldeutschlands“,  die Arbeit  in der Vergangenheit und die Zukunft.

Der erste Film der diesjährigen Staffel „Geschichte Mitteldeutschlands“ hatte eine zweistellige Quote. Der Film über Manfred von Ardenne erreichte 10,1 Prozent der Zuschauer im Sendegebiet. Woher kommt der Erfolg von GMD im zwölften Jahr?

Ich glaube,  ja ich weiß, die Leute mögen an GMD, was auch uns immer noch antreibt: Es ist spannend, sich historischen Persönlichkeiten zu nähern. Oft erfährt man Unerwartetes, gerade über Personen, die man zu kennen glaubte, erkennt geschichtliche Zusammenhänge und lernt unendlich viel Neues. Das macht die Geschichte Mitteldeutschlands so aufregend. Für die Zuschauer und auch für uns.

Ist das Team nach all den Jahren nicht abgebrüht?

Nein, wir sind immer wieder überrascht. Seit ich begonnen habe, mich intensiv mit Geschichte zu befassen, hat das sogar zugenommen. Zu jeder Antwort gibt es neue Fragen. Je tiefer man sich einem Thema widmet, desto größer wird erst einmal das Nichtwissen. Am Anfang hat mir die Masse an Nichtwissen Angst gemacht. Inzwischen macht es mir Spaß, immer mehr wissen zu wollen.

Gibt es denn noch genug Persönlichkeiten für die nächsten Jahre GMD?

Namen gibt es  durchaus, auch prominente. Aber wir müssen den Sendeplatz bedenken. Wir treten Sonntag 20:15 Uhr  in einem harten Konkurrenz-Umfeld an. Da müssen wir uns behaupten. Wenn die Bedeutung der historischen Persönlichkeiten zu regional wird, schwinden die Chancen, breite Zuschauerkreise zu erreichen. Und dazu sind wir mit diesem Sendeplatz verpflichtet.

Wir bekommen viele Zuschriften, in denen uns Zuschauer interessante Figuren empfehlen. Da sind oft wirklich spannende Geschichten  dabei, aber häufig strahlen sie nicht weit genug  aus für unsere Dreiländer-Anstalt. Ich denke,  die Reihe kann und  muss weiterentwickelt werden.

Gibt es dazu schon konkrete Überlegungen?

Die Entwicklung ist im Gange. Wir haben ja auch in der den letzten Jahren permanent an dem Format gearbeitet, es verändert  und überlegt, welche zugkräftigen Persönlichkeiten infrage kommen und wie wir  die Filme attraktiver gestalten können. Kein Format kann sich auf Erreichtem ausruhen, sondern muss sich weiterentwickeln, um zu überleben.

Ganz zu Beginn der Geschichte Mitteldeutschlands haben wir anders gearbeitet. Der Film über die Wartburg, den Kyffhäuser und  das Völkerschlachtdenkmal beispielsweise gehörte zu den erfolgreichsten GMD-Folgen überhaupt. Man kann  also auch andere Zugänge zu Geschichte wählen und damit gute, erfolgreiche Filme  produzieren. Aber das ist eine Aufgabe für die Zukunft.

Diese Zukunft werden Sie selbst nicht mehr gestalten …

Aber natürlich mit großen Interesse und sehr viel Neugier verfolgen. Denn ich bin ja nicht aus der Welt und in meinem neuen Job wird die Geschichte, wenn auch aus anderer Perspektive, weiter eine Rolle spielen.

Zehn Jahre sind eine lange Zeit. Mit welchem Gefühl gehen Sie in die neue Aufgabe?

Das ist sehr seltsam. Der letzte Film ist gerade fertig, wir haben noch Restarbeiten zu erledigen, aber eigentlich wickle ich meine Tätigkeit hier  allmählich ab. Ich räume den Schreibtisch, sortiere und übergebe Papiere, Ideen …  Um mich herum geht die Arbeit weiter und  ich gucke zu.

Es ist eine ambivalente Sache, wenn man ein Projekt nach so langer Zeit verlässt. Die Arbeit war sehr schön und sehr anstrengend. Ich bin ja keine Historikerin und musste mir vieles hart erarbeiten. Und je mehr man sich für eine Sache engagiert, desto emotionaler wird es. Ich fühle schon jetzt  so etwas wie Phantomschmerz. Andererseits kann nach zehn Jahren mal wieder etwas anderes kommen. Sowohl für  das Format, die Kollegen bei GMD, aber  auch für mich. Das Neue – die Hochkultur, aus der ich ja vor 10 Jahren gekommen bin - hat  natürlich auch seinen Reiz für mich. Ich bin gespannt, was ich dort bewegen kann. Und das will ich unbedingt!

„Geschichte Mitteldeutschlands“ ist in den letzten Jahren unter meiner Leitung zu einer festen Institution geworden. Wir haben - mit  nunmehr 63 Filmen - die Reihe weit über die ursprünglich geplanten 38 Folgen hinaus weitergeführt.  Sie ist heute aus dem Programm des MDR nicht mehr wegzudenken. Darauf bin ich stolz.