AMOK - Erfurt und die Folgen

Eine fünfteilige Serie für die ARD-Mediathek von Katja Herr und Christoph Peters

Der Amoklauf an einem Erfurter Gymnasium vom 26. April 2002 ist in die Geschichte eingegangen als schwärzester Tag Thüringens seit der Wende. Vor nunmehr 20 Jahren erschoss ein ehemaliger Schüler insgesamt 16 Lehrer, Schüler und Sekretärinnen und dann sich selbst. Bisher kannte man in Deutschland Amoklauf an Schulen nur als Phänomen aus den USA – dem Land milder Waffengesetze und hoher Aggressivität unter jungen Menschen. Durch dieses Massaker sind in Erfurt und Umgebung rund 10.000 Menschen traumatisiert worden, viele davon schwer oder sehr schwer, teilweise mit Suizidgefährdung. Ein Ereignis, das viele Biographien einschneidend verändert hat.

Ich wollte diesen Tag vergessen, meine Schulzeit in einen Schrank packen und nie wieder öffnen. Aber die Narben des Amoklaufs verfolgen mich bis heute, deshalb müssen wir uns erinnern.

Jens Schneider, 2002 Abiturient

Ich habe für mich entschieden, dass diese Trauer, diese Angst und Wut von damals irgendeinen Sinn in meinem Leben haben müssen und bin selbst Therapeutin geworden, um anderen in schweren Krisen zu helfen.

Silke Bonda, 2002 Referendarin

Das soll niemanden passieren, was mir passiert ist. Und wenn ich an meine Kinder denke, dann habe ich einfach den Wunsch, dass sie sich frei entwickeln, und nicht für das, was ich erleben musste, ein Stück mit in Haftung genommen werden.

Pascal Mauf, 2002 Abiturient

Die neue fünfteilige Serie erzählt aus fünf Perspektiven, wie Lehrer und Schüler, Retter und Helfer diesen Tag erlebt und für sich selbst verarbeitet haben. Allen, die vor der Kamera ihre Geschichte erzählen, ist gemeinsam, dass sie sich verändert haben – sie sich seitdem mehr um ihre Mitmenschen kümmern, mehr aufeinander aufpassen, sich mehr sozial engagieren. Es ist eine zentrale Frage ihres Lebens geworden: Hätten wir erkennen müssen, dass Robert S., ein Schüler aus unserer Mitte, nicht mehr klarkommt, sich ausgrenzt und den Amoklauf plant?

Die Serie betrachtet den Amoklauf von 2002 unter dem konkreten Blickwinkel: Ist seitdem genug getan worden, damit sich Erfurt nicht wiederholt?
Wo wurden Fehler gemacht, wo gab es Gesetzeslücken? Was hat sich seitdem verändert hat an den Schulen, im sozialen Umgang und im täglichen Miteinander. Wird genug investiert in Gewaltprävention? Was hat sich getan im Waffenrecht, in der Traumatherapie, in der Krisenintervention und dem polizeilichen Handeln?

Eine Serie, deren Erzählungen unter die Haut gehen und nachdenklich machen.

Folge 01 - Die Überlebenden
Folge 02 - Die Stunde null
Folge 03 - Das Trauma
Folge 04 - Die Zeichen
Folge 05 - Das System Schule

Buch/ Regie: Katja Herr und Christoph Peters
Kamera: Matthias Müller, David Bochmann, Jens Kleinert
Grafik: Ronald Grüner
Schnitt: Martin Schröder, Ferenc Stobäus
Recherche: Catharina Ludwig, Karsten Schünemann
Produzent: Sascha Beier
Redaktion: Ina-Katrin Hüttig, Anaïs Roth


Eine Produktion der SAXONIA Entertainment GmbH im Auftrag des Mitteldeutschen Rundfunks.

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