Pferde, Frauen, Feilschen - Der große Markt von Havelberg

Der Osten - Entdecke wo du lebst

Vielleicht wäre der Havelberger Pferdemarkt nur einer von vielen – wenn er sich zu Ost-Zeiten nicht zum größten Gebrauchtwarenmarkt der DDR entwickelt hätte. Besonders in den 70er- und 80er-Jahren konnte man alles neben Pferden und Pferde-Zubehör auf dem Markt finden, woran es normalerweise mangelte. Von Zylinderkopfdichtungen, über das begehrte Rauchglas aus Lauscha bis zu Schallplatten aus dem Westen. Nichts was es nicht gab. Hier bestimmtem Angebot und Nachfrage den Kaufpreis.

Auch Kurt Zander aus der Prignitz bot 1979 als junger Mann sein Pony auf dem Pferdehandelsplatz an. Als er erkannte, welches Potential sich noch hinter dem Markt verbirgt, hat er in den Folgejahren nicht nur Pferde. So verkaufte er einmal 100 emaillierte Außenthermometer, die er im Urlaub in Thüringen erworben hatte. Der Freie Handel – ein Eldorado für Händler und Besucher – und das auf einer Fläche von über Hundert Hektar.

Auch Sigrid Wiedenhöft,, die Pferdelady, wie sie von vielen Händlern liebevoll genannt wird, kennt den Markt aus dem Effeff. Schon als kleines Mädchen nahm ihr Vater sie, der einen Pferdehandel betrieb, mit auf den Markt. Da war der Pferdemarkt mit Rummel und Tanz noch mitten in der Altstadt. Erst 1963 zog der Pferdemarkt, auch Heiratsmarkt genannt, auf die weiten Wiesen vor den Toren der Stadt. Nicht selten lernten sich hier Braut und Bräutigam kennen. Ganz früher sollen die Bauern neben den Pferden auch gleich ihre Töchter angeboten haben. Als Sigrid Wiedenhöft 1991 Platzchefin auf dem Markt wurde,  hatte sie es nicht immer leicht, die Zeit nach der Wende hatte viele Menschen und auch Pferdehändler verunsichert. Und auch der Reiz der Mangelware war weg. Doch die Pferdelady hat es geschafft, den Markt nach vorne zu treiben, einmal waren sogar 1000 Pferde auf dem Platz.

Das Besondere und Einzigartige des Marktes in der Hansestadt – ist der Kauf eines Pferdes mit einem einfachen Handschlag. Damals wie heute. Der Kauf vollzieht sich ohne Notar und ohne Vertrag. Pferdehändler Hansi Kramer aus dem Vorharz liebt das Handeln mit dem Handschlag, liebt die Tradition. Das was sein Vater aufgebaut hat, führt er jetzt mit seiner Tochter Julia fort. Heute gehört er mit seiner Tochter zu den größten Ausstellern auf dem Handelsplatz. Mit bis zu 40 Pferden rückt er ein paar Tage vor Eröffnung des Marktes an. Dann heißt es alles vorbereiten. Gatter aufbauen, Tiere ausladen und sich um die Verpflegung der Tiere kümmern.

Kommen die ersten Kunden packt es den 54jährigen Pferdehändler zu feilschen nach alter Tradition. Und das kann schon mal über ein paar Stunden dauern -  bis sich dann endlich der Besitzerwechsel vollzieht.

Überdauert hat diese Tradition seit über 250 Jahren. Für vier Tage öffnet der „Große Markt“ immer am ersten Septemberwochenende seine Pforten. Dann strömen immer noch Hunderttausende Menschen auf den Markt.

Der Film erzählt von einer Welt der Händler und Pferdeliebhaber aus der heutigen und aus der damaligen Zeit, die sich einer außergewöhnlichen Tradition verschrieben hat. Und er versucht die Magie des „Großen Marktes“ zu lüften, warum Jahr für Jahr immer wieder Hunderttausende Menschen dort hin strömen.


Buch & Regie
Corinna Adam

Kamera
Matthias Müller

Schnitt
Henrik Fehse

Produktionsleitung
Sascha Beier

Producerin
Christiane Stürenberg

Redaktion
Ina-Katrin Hüttig (MDR)

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