Spur der Ahnen - Mein Großvater: Gefangen in der Eishölle Russlands

Im Lebenslauf ihres Vaters entdeckt Bettina Chastain eine Lücke. 8 Jahre fehlen, zwischen 1946 und 1954. Die Tochter fragt sich, was der Vater in dieser Zeit gemacht hat. Sie erinnert sich, dass Horst Anschütz kurz vor seinem Tod 2008 etwas von einer Haftstrafe erzählt hat, von Schlägen und seiner furchtbaren Angst vor russischen Soldaten. Bettina Chastain recherchiert und findet heraus, dass ihr Vater wegen eines angeblichen Sabotageversuchs gegen die sowjetische Armee in seiner Heimatstadt Schwabhausen in Thüringen 1946 verhaftet wurde. Zusammen mit 15 anderen Jugendlichen. Auf ihrer Reise quer durch Deutschland versucht sie herauszufinden, ob es stimmt, was man sich in Schwabhausen bis heute erzählt. Ist es ein Gerücht, oder die Wahrheit? Wofür wurde ihr Vater verurteilt? Und wie hat er die Haft überlebt, die 6 seiner Freunde nicht überlebt haben? Bettina Chastain stellt sich die Frage: War mein Vater, wirklich ein Terrorist?

Nach dem Tod seines Vaters macht der Stendaler Peter Lott eine überraschende Entdeckung. Im Nachlass findet er die handschriftlichen Erinnerungen seines Großvaters aus dem 1. Weltkrieg und seiner Gefangenschaft in Russland. Detailliert beschreibt er die furchtbaren Jahre in den Gefangenenlagern. Von Typhus, Skorbut, Schlägen, Hunger und harter Zwangsarbeit.

Der Enkel fragt sich: Kann es wirklich sein, dass mein Großvater  durch diese Hölle gehen musste? Sind seine Erinnerungen Wahn oder Wirklichkeit?

Peter Lott hat seinen Großvater nie kennengelernt. Er starb schon früh mit 58 Jahren. Dass der Bahnschaffner August Lott überhaupt so lange gelebt hat, grenzt für ihn an ein Wunder. Der einfache Soldat war von 1915 – 1918 in russischer Kriegsgefangenschaft und musste unter schwersten Bedingungen Zwangsarbeit verrichten. Fast vier Jahre lange wurde er kreuz und quer durch Rußland transportiert. In der Eishölle Kareliens verlegte er Eisenbahnschienen, im Süden musste er im Kohlebergwerk schuften. So schreibt er in seinen Erinnerungen.

Viele seiner Mitgefangenen, darunter auch andere Soldaten aus der Altmark, sind an den harten Lager- und Transportbedingungen gestorben. An Unterernährung und mangelhafter Hygiene,  aber auch den Schlägen und Grausamkeiten der Aufseher. Für Peter Lott ist es rätselhaft, warum ausgerechnet sein Großvater diese Strapazen überlebte. War er wirklich ein Arbeitssklave der Russen? Oder hat er sich das ausgedacht und seine Geschichte dramatischer und interessanter gemacht, als sie eigentlich war?  Ein Karl May aus der Altmark?

Peter Lott will es genau wissen. Doch schon die ersten Recherchen werfen neue Fragen auf. Nirgendwo sind Unterlagen über die Marschbewegung seiner Kompanie an der Ostfront zu finden. Auch die Geldsendungen die August Lotts  Ehefrau nach Russland geschickt haben soll, machen den Enkel stutzig.  Angeblich hat er auch Rentiere geschlachtet und aus den Fellen Kleidung genäht....Können das wirklich die Erlebnisse seines Großvaters sein? Sind es überhaupt seine Erinnerungen, oder wurden sie vielleicht von jemand anderem verfasst?  

Peter Lott will verstehen, wer sein Großvater war .

Mit Hilfe von Feldpostkarten rekonstruiert er den Weg seines Großvater in die russische Gefangenschaft. Er folgt seinen Spuren in den hohen Norden Russlands bis nach Kandalakscha, auf die Halbinsel Kola, wo sein Großvater angeblich mit die kriegswichtige Murmanbahn baute. Wird er dort Beweise für die Geschichten seines Großvaters finden? Peter Lott macht sich auf eine aufwühlende Spurensuche  mit der Redaktion „Die Spur der Ahnen.“


Buch/ Regie: Marita Neher

Kamera: Franz Koch, Oliver Vogt

Schnitt: Marco Dausel

Recherche: Svetlana Klyushina

Produktionsleitung: Sascha Beier

Produzentin: Simone Baumann

Redaktion MDR: Frank Kutter, Martin Hübner

Fotos: Peter Lott privat

Ort: MDR FERNSEHEN

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