Geschichte Mitteldeutschlands - 2013

Hilde Benjamin - Die Scharfrichterin der DDR

Die Dame mit der Sonnenbrille ist die DDR-Justizministerin Benjamin, auch gern  "Blutige Hilde" oder  "Rote Guillotine" genannt.

Selbst wenn der zweifelhafte Ruhm der 1989 gestorbenen Juristin und SED-Politikerin inzwischen ein wenig verblasst ist, so hat sich an ihrem schlechten Image nichts geändert. Wer Hilde Benjamins Namen kennt, der verbindet damit die zum Klassenkampf- und Unterdrückungsinstrument degradierte DDR-Rechtsprechung, denkt an Schauprozesse und Todesstrafen.

Tatsächlich aber fungierte Hilde Benjamin in lediglich 13 Prozessen als Richterin und von den 211 in der DDR verkündeten und vollstreckten Todesurteilen gingen nur zwei auf  ihr persönliches Konto.

Warum Hilde Benjamin trotzdem zur Symbolfigur der SED-Justiz werden konnte, wird unser Film aufzeigen. 

Hilde Benjamin war von Anbeginn ihrer Kariere bereit, das Recht im Dienst einer vermeintlich hehren Idee zu beugen. Und daran, dass der Richter in erster  Linie Erfüllungsgehilfe des Parteiwillens ist, zweifelte sie bis an ihr Lebensende nicht.


Autor/Regie: André Meier

Regie Spielszenen: Pepe Pippig

Kamera: Torbjörn Karvang, André Götzmann

Produktionsleiter: Sascha Beier

Produzentin: Simone Baumann

Besetzung: 
Anke Sevenich als Hilde Benjamin
Andreas Stadler als Georg Benjamin
Serafin Junge als Michael Benjamin (jüngere)
Mathieu Charriére als Michael Benjamin (ältere)

Sendetermin: So, 04.08.13, 20.15 Uhr, MDR FERNSEHEN

Fotos: Andreas Lander


Roland Freisler - Hitlers williger Vollstrecker

7. September 1944, 8 Uhr. Im Berliner Kammergericht kommt an diesem Tag der Volksgerichtshof zusammen. In einer Einzelzelle im Erdgeschoss wartet bereits der Angeklagte Carl Goerdeler. Der ehemalige Oberbürgermeister von Leipzig kauert auf einer Holzbank, er ist mager, auf dem Handrücken und am Unterarm sind Blutergüsse - die Gestapo hat ihn vernommen. Goerdeler ist einer der Verschwörer des 20. Juli 1944, wochenlang war sein Steckbrief in den Zeitungen abgedruckt, schließlich hat ihn eine Luftwaffenhelferin für eine Million Reichsmark verraten. Zwei Stockwerke über Goerdelers Zelle sitzt Dr. Roland Freisler an einem Schreibtisch, er blättert die Anklage durch. Wie immer hat sich der Präsident des Volksgerichts akribisch vorbereitet. „Der Freisler wird das richten“, hat Hitler gesagt und dafür gesorgt, dass die Männer und Frauen des 20. Juli 1944 von seinem Lieblingsrichter verurteilt würden.

Propagandaminister Joseph Goebbels lässt den Prozess filmen. Freisler hat freudig zuge-stimmt, endlich bekommt er die ersehnte Bühne. Im Saal wurden versteckte Kameras angebracht. Direkt hinter Freislers Stuhl in der Hakenkreuzfahne, in einem Gemälde an der Stirnseite des Raumes und in den seitlichen Holzbalustraden. Kameramänner der Deutschen Wochenschau übernehmen die Filmarbeiten. „Verräter vor dem Volksgericht“ wird der Streifen heißen. Heute ist nur noch eine Kopie des Films erhalten, sie lagert im Berliner Bundesarchiv. Das mehrstündige Filmdokument zeigt das gnadenlose Tribunal gegen die Verschwörer und erlaubt einen einzigartigen Blick in die Seele des Richters Roland Freisler. Bis heute sind es, mit einer Ausnahme, die einzig bekannten Filmaufnahmen von ihm. Wer war dieser Mann? Was trieb ihn an?


Autor/Regie: Annette Baumeister

Regie Spielszenen: Pepe Pippig

Kamera: Torbjörn Karvang, Jean Schablin

Produktionsleitung: Sascha Beier

Produzentin: Simone Baumann

Besetzung:
Christoph Gottschalch als Dr. Roland Freisler
Harald Heinz als Carl Goerdeler

Sendetermin: So, 11.08.13, 20.15 Uhr, MDR FERNSEHEN

Fotos: Andreas Lander


Mathilde von Quedlinburg - Vom Mädchen zur Machtfrau

Sie ist die Enkelin des ersten deutschen Königs Heinrich I., die Tochter Otto des Großen und die erste Äbtissin Quedlinburgs. „Herrin Europas“ nennt der Chronist Widukind von Corvey die damals 13jährige. Andere Chronisten loben, dass sie nicht mit weiblichen Leichtsinn regiere. Wer war diese Frau? Welchen Konflikten war Mathilde ausgesetzt? Wie hat sie gelebt? Und was hat sie etwas erschaffen, was über ihre Zeit hinaus Bestand hat? Der Film erzählt einen kleinen Teil der Lebensgeschichte von Mathilde, der aber einen tiefen Einblick in den Alltag vor tausend Jahren ermöglicht.

Der roter Faden des Films ist der sogenannte  „Brautraub von Quedlinburg“. Dahinter verbirgt sich eine Geschichte um Eheversprechen, Wortbrüche und verletzte Familienehre: Werner, der junge Sohn des Markgraf der Nordmark, ist seit Jahren mit Liudgard verlobt, der Tochter des Markgrafen von Meißen. Als der Brautvater die Verlobung ohne Erklärung auflöst, nimmt sich Werner das, was ihm seiner Meinung nach zusteht: er überfällt das Damenstift in Quedlinburg, wo Liudgard untergebracht ist und entführt seine Braut.

Mathilde ist von dieser Entführung gleich zweifach betroffen: sie ist nicht nur als Äbtissin die Leiterin des Stiftes in Quedlinburg, sondern zu der Zeit des Raubes zudem Stellvertreterin des regierenden Königs, ihres Neffen Otto III. Wie geht Mathilde mit diesem Brautraub um? Lässt sie Werner den Überfall mit dem Leben bezahlen? Oder welche anderen Möglichkeiten hat Mathilde um den Konflikt zu lösen?

Der Film begleitet Mathilde in dieser konfliktreichen Situation. Durch ihr Handeln als Stellvertreterin des Königs erfährt der Zuschauer überraschende Spielregeln mittelalterlicher Politik. So wie die Regel: „Wer weint, meint es ernst“. Aber es zeigt sich auch, dass das angeblich dunkle und gewaltverherrlichende Mittelalter manchmal recht modern daher kommt..  

Durch Rücksprünge in die Jugend Mathildes taucht der Zuschauer tief ein in den Alltag eines Stifts. Schon mit 11 Jahren hat Mathilde die Leitung der religiösen Frauengemeinschaft übernehmen müssen – einer Art Elite-Internats des 10. Jahrhunderts. Ein Alltag voller Gehorsam und Disziplin, Keuschheut und Gelehrsamkeit, Gebete und Jungmädchenträume. 


Autor/Regie: Gabriele Rose

Kamera: Torbjörn Karvang, Patrick Popow

Produktionsleiter: Sascha Beier

Produzentin: Simone Baumann

Besetzung:
Anne-Kathrin Gummich als Mathilde (ältere)
Emelie Kundrun als Mathilde (jüngere) 
Frank Rebel als Liuthar von Walbeck
Gregor Faubel als Werner von Walbeck


Sendetermin: So, 18.08.13, 20.15 Uhr, MDR FERNSEHEN

Fotos: Andreas Lander


Markus Wolf - Mielkes bester Mann

Die Flucht des Ehepaares Wolf ab Ende September 1990 - über Österreich, Moskau, wieder Österreich, die freiwillige Rückkehr nach Deutschland, der Düsseldorfer Prozess.

Der Film zeigt größten Erfolge und Niederlagen des Markus Wolf. Welche atemlose und übereilte Jagd auf Markus Wolf Anfang der 90er Jahre seitens bundesdeutscher Behörden und Medien gemacht wurde. Und die Frage, die das Bundesverfassungsgericht schließlich geklärt hat, ob Nachrichtendienstangehörige eines fremden Staates überhaupt nachträglich wegen Spionage gegen die BRD vor Gericht gestellt werden können. Diese Ansicht jüngere Zeitgeschichte und Schlüsselmomente deutsch-deutscher Historie gut miteinander verbunden und gleichzeitig die Möglichkeit geben, über den Menschen Markus Wolf zu reflektieren ohne dabei allzu schnell übliche Klischees zu bedienen.

Was führte zum Karriere-Ende der bewunderten und gefürchteten Ausnahmeerscheinung Markus Wolf?

Das zu beantworten und die damaligen politischen, gesellschaftlichen und privaten Umstände Mitte der 80er Jahre zu erhellen, wollen wir verschiedene Thesen aufstellen und diese im Lauf des Filmes überprüfen, um zu den wahrscheinlichsten Antworten zu gelangen. 


Autor/Regie: Christian Schulz

Regie Spielszenen: Pepe Pippig

Kamera: Torbjörn Karvang, Sebastian Hattop

Produktionsleiter: Sascha Beier

Produzentin: Simone Baumann

Besetzung:
Gert Klotzek als Markus Wolf
Anne Rathsfeld als Andrea Wolf
Norbert Hülm als Leonid Schebarschin
Karl Hemeyer als Bundesanwalt Joachim Lampe
Gunnar Möller als Graf von Einsiedel

Sendetermin: So, 25.08.13, 20.15 Uhr, MDR FERNSEHEN

Fotos: Andreas Lander


Sachsen am Abgrund - Friedrich August I und Napoleon

Als erbitterter Gegner Napoleons trat Kurfürst Friedrich August I. an der Seite Preußens am 14. Oktober 1806 bei Jena und Auerstedt gegen den Emporkömmling Napoleon an und ging schmählich unter. Bereits fünf Tage später schickt er seinen ersten unterwürfigen Brief an Napoleon.

Mit Erfolg: Zwei Monate später macht der Kaiser der Franzosen den Kurfürsten zum König von Sachsen. In den folgenden Jahren schickte Friedrich August I. seine Soldaten  immer dorthin, wo Napoleon sie brauchte. Im Gegenzug durfte er sein Reich mit ehemals preußischen und österreichischen Besitzungen vergrößern. Ein Win-Win-Geschäft, das so lange gut lief, wie Napoleon siegte. Doch als dessen „Große Armee“ mitsamt ihren sächsischen Hilfstruppen vernichtend geschlagen aus Russland heimwärts taumelte, bekam auch Friedrich August kalte Füße und  versuchte  erneut,  die Seite zu wechseln. Vor den nun gemeinsam gegen die Franzosen ziehenden Preußen und Russen wich er – unter Zurücklassung seines Königreichs - bis nach Regensburg aus. Dort schloss er am 20. April 1813 einen geheimen Bündnisvertrag  mit dem Preußen- und Russland-Partner Österreich. Pech nur, dass  Napoleon bereits keine zwei Wochen später Friedrich Augusts neue Freunde bei Großgörschen schlug und den Sachsen bat, nach Hause zurückzukehren. Er müsse nun keine Angst mehr haben, die Franzosen hätten den Feind vertrieben. Friedrich August gehorchte und schwor Napoleon erneut die Treue. Diesmal hielt er sein Versprechen. Zum Leidwesen der Sachsen, denn ihr Land wurde nun zum Hauptkriegsschauplatz.

Am Ende saß der König in Leipzig fest und musste im Keller seiner Residenz hilflos miterleben, wie  Preußen, Russen und Österreicher über Napoleon in der Völkerschlacht triumphierten.

Vergeblich versuchte er nach dem Abzug Napoleons, noch einmal das Lager zu wechseln. Russen und Franzosen lehnten einen Beitritt Sachsens zur antinapoleonischen Allianz dankend ab und nahmen den Wendehals aus Dresden erst einmal in Haft. So saß Friedrich August I. in Berlin Friedrichsfelde fest, während sein Reich auf dem Wiener Kongress  unter den Napoleon-Bezwingern aufgeteilt wurde.


Autor/Regie: André Meier

Regie Spielszenen: Pepe Pippig

Kamera: Torbjörn Karvang, André Böhm, André Götzmann

Produktionsleiter: Sascha Beier

Produzentin: Simone Baumann

Besetzung: 
Winfried Glatzeder als Friedrich August I
Jörg Pintsch als Ferdinand v. Funck
Ulrich Simontowitz als Napoleon
Daniela Hoffmann als Amalie
Vera Kasimir als Marie Auguste

Sendetermin: So, 01.09.13, 20.15 Uhr, MDR FERNSEHEN

Fotos: Andreas Lander