Geschichte Mitteldeutschlands - 2015

Lotte Ulbricht - Zwischen Parteidisziplin und Mutterrolle

Sendetermin: 02.08.2015, 20.15 Uhr, MDR FERNSEHEN

Ein eigenes Kind ist ihr sehnlichster Wunsch. 1946 geht er in Erfüllung: Ein Waisenmädchen aus Dresden. Endlich, mit 43 Jahren, darf auch sie Mutter sein: Lotte Kühn, SED-Pressereferentin, Lebensgefährtin und bald auch Ehegattin von Walter Ulbricht.

Jahrzehnte später gibt die Adoptivtochter der Ulbrichts einem Boulevardblatt ein Interview: Lotte Ulbricht habe sie nie geliebt, war kalt, rabiat und herrschsüchtig – eine böse Frau. Ein vernichtendes Urteil. Ob es stimmt und was sich dahinter verbirgt fragt ein neuer Film der MDR-Reihe „Geschichte Mitteldeutschlands“. Die aufwändige Spurensuche führt in das Labyrinth eines lange und streng gehüteten Geheimnisses. Ein Drama zwischen Mutter und Tochter – voll Tragik, enttäuschter Hoffnungen und zerstörtem Familienglück. Eine Geschichte vom Scheitern, die einen neuen Blick auf das Leben der Frau eröffnet, die für Jahrzehnte die mächtigste der DDR war.


Buch/Regie: Steffen Jindra

Regie Spielszenen: Peter Pippig

Kamera: Torbjörn Karvang/ Frank Menzel

Producer: Katrin Thomas

Produktionsleiter: Sascha Beier

Produzentin: Simone Baumann

Besetzung:
Angeline Anett Heilfort als junge Lotte Ulbricht
Karin Oehme als ältere Lotte Ulbricht
Stephan Boden als Walter Ulbricht
Susanne Bredehöft als Elsa Fehnske
Stella Hilb als Luise Schälike        

Länge: 45 min.

Fotos: Andreas Lander


Gert Fröbe - Der Hollywoodstar aus Zwickau

Sendetermin:  09.08.2015, 20.15 Uhr, MDR FERNSEHEN

Gert Fröbe war einer der bekanntesten westdeutschen Schauspieler des letzten Jahrhunderts. Mit seiner James Bond-Rolle als "Goldfinger" begann er sogar eine Hollywood-Karriere.

Nur wenige wissen jedoch, dass der "Bösewicht vom Dienst" eigentlich aus Sachsen stammte und dort Familie hatte. Noch weniger ist bekannt, dass Gert Fröbe zu Zeiten der deutsch-deutschen Teilung ein regelrechtes Doppelleben führte seine Mutter und die Familie in Zwickau regelmäßig besuchte, unterstützte und zumindest seine Mutter auch nach dem Mauerbau zu seinen Dreharbeiten und Premieren in aller Welt anreisen ließ.

Vor diesem Hintergrund erzählt die diesjährige GMD-Dokumentation Gert Fröbes Leben und seine größten und wichtigsten Filmerfolge sowie die entscheidende Rolle, welche die Frauen für sein Leben und dessen Wendungen gespielt haben. Fröbe war fünfmal verheiratet und hatte zeitlebens eine enge Bindung an seine Mutter Alma.


Autor/Regie: Christian Schulz

Regie Spielszenen: Peter Pippig

Kamera: Torbjörn Karvang / Michael Baum

Producer: Katrin Thomas

Produktionsleiter: Sascha Beier

Produzentin: Simone Baumann

Fotos: Andreas Lander


Emmy Göring - Die First Lady der Nazis

Sendetermin: 16.08.2015, 20.15 Uhr, MDR FERNSEHEN

Sie lebt auf dem Landsitz Carinhall umgeben von Pomp, Prunk und Protz. Während Millionen Menschen sterben, führt sie ein fürstliches Leben inmitten millionenschwerer Beutekunst: Gemälde, Teppiche und Skulpturen. Die Rede ist von Emmy Göring, der Gattin des zweiten Mannes im Nazistaat - Hermann Göring.

Geschichte Mitteldeutschlands begibt sich auf Spurensuche in Weimar, wo Emmy Göring über zehn Jahre am Nationaltheater auftrat und 1932 den aufstrebenden Politiker kennen lernte. Protegiert von ihrem Freund Göring stieg die Schauspielerin Emmy Sonnemann in Berlin zur UFA-Filmschauspielerin auf und heiratete 1935 Hitlers Stellvertreter. Wer war die Frau, die auf der Bühne das Fach der Naiven spielte und im echten Leben zur First Lady des Dritten Reiches aufstieg?

Über das Privatleben der Görings, abseits der Politik, ist bis heute kaum etwas bekannt, denn ihr Privatbesitz wurde am Kriegsende vollkommen zerstört. Dokumente aus der Nachkriegszeit erlauben nun Einblick in die private Welt von Hermann und Emmy Göring: Die Verhörprotokolle der Alliierten, die Autobiographie und die Artikelserie in der Revue „Emmy Göring – geborene Sonnemann“.

Der Psychologe Andreas Steiner entschlüsselt in der GMD – Dokumentation mit Hilfe von Originalzitaten, Emmy Görings Gedanken und Weltsicht. Die Schauspielerin Kirsten Block verkörpert im Film Emmy Göring und entlarvt mit ihrem Spiel ihren Charakter. Emmy Göring steht ihrem Mann noch Jahrzehnte nach dessen Selbstmord 1946 in Nürnberg treu zur Seite und flüchtet sich bis zu ihrem Tod 1973 in Selbstgerechtigkeit: „Ich habe immer gedacht, dass Liebe eine Gnade sei. Ich habe nicht gewusst, dass man dafür bestraft werden kann.“


Buch/Regie: Annette Baumeister

Regie Spielszenen: Peter Pippig

Kamera: Torbjörn Karvang / Johannes Straub

Producer: Katrin Thomas

Produktionsleiter: Sascha Beier

Produzentin: Simone Baumann

Besetzung:
Kirsten Block als Emmy Göring
Jonas Hien als Reporter

Fotos: Andreas Lander


Lucas Cranach d. Jüngere – Maler, Unternehmer, Politiker

Sendetermin: 23.08.2015, 20.15 Uhr, MDR FERNSEHEN

Wie kaum ein anderer Künstler ist der Name Cranach mit der Reformation verbunden: in der Werkstatt des Malers in Wittenberg entstanden Bildnisse des Reformators Martin Luthers, Illustration für die Lutherbibel oder Altartafeln für die neuen protestantischen Kirchen. Wie auch schon sein Vater Lucas Cranach der Ältere hat sein Sohn Lucas der Jüngere den neuen reformatorischen Inhalten ein Antlitz gegeben. Trotz seines eigenen Schaffens als erfolgreicher Maler ist Cranach der Jüngere in der heutigen Wahrnehmung im Schatten seines Vaters. Dabei ist er vor allem ein Meister der Portraitkunst gewesen. Erst in den letzten Jahrzehnten gesteht man ihm ebenfalls einen bedeutenden Platz in der Kunstgeschichte zu. Das Jahr 2015 ist ein Cranach-Jahr - mit zahlreichen Ausstellungen und Veranstaltungen wird sein 500. Geburtstag im gesamten Gebiet des MDR gefeiert.

Wittenberg im Sommer 1550: Lucas Cranach Junior übernimmt die Werkstatt seines Vaters, da sein Vater Wittenberg verläßt. Die entscheidenden nächsten 25 Jahren im Leben Lucas Cranach, in denen er aus dem Schatten seines Vaters tritt, sind der rote Faden des Films: dabei ist Lucas Cranach der Jüngere kein Künstler im heutigen Sinne - er ist vor allem ein Unternehmer: er generiert Aufträge für seine große Werkstatt, leitet einen Weinschank, wirkt in Wittenberg als Investor und Ratsherr – während gleichzeitig sein Leben in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts mehrfach von politischen Ereignissen erschüttert wird.

Der Film erzählt die Wendepunkte im Leben Cranachs des Jüngeren, als Kriege und politische Krisen seine Karriere gefährden. Immerhin muss er ein großes Unternehmen leiten. Denn die Cranach-Werkstatt ist kein zurückgezogenes Künstler-Atelier – diese Werkstatt ist eine Bildermanufaktur, in der zahlreiche Lehrjungen und Gesellen im Stil Cranach Gemälde anfertigen. In den Spielszenen wird die Arbeit dieser Werkstatt wieder lebendig.


Autor/Regie: Gabriele Rose

Kamera: Torbjörn Karvang / Jürgen Rehberg

Producer: Katrin Thomas

Produktionsleiter: Sascha Beier

Produzentin: Simone Baumann

Besetzung:
Markus Lerch als Lucas Cranach d. Jüngere
Julia Gorr als Magdalena Schurff

Fotos: Andreas Lander


Mechthild von Magdeburg - Eine Frau mit Visionen

Sendetermin: 30.08.2015, 20.15 Uhr, MDR FERNSEHEN

Mechthild von Magdeburg. Bis heute ist diese religiöse Frau aus dem 13. Jahrhundert bekannt durch ihr Buch "Das fließende Licht der Gottheit", in dem sie ihre göttlichen Erfahrungen niederschreibt und das sie in Niederdeutsch, der Sprache des einfachen Volkes, verfasst. Mechthilds Buch gilt als das bedeutendste Beispiel der deutschsprachigen Mystik. Dabei schreibt sie nicht nur ihre Visionen auf, sondern auch Verhaltensweisen und Kritik an Mitbürgern. Aber nicht nur ihr Werk, auch Mechthilds Leben ist nicht alltäglich: als junge Frau verläßt sie die elterliche Burg, aber nicht um Ehefrau oder Nonne zu werden, sondern um ein Leben als Begine führen. Beginen sind fromme Frauen, die ein religiöses, keusches Leben führen, aber nicht hinter Klostermauern – sondern mitten in der Stadt. Zusammen mit anderen Beginen führen sie ein Leben nach Jesus Vorbild. Mechthild entscheidet damit, in einer Zeit, in der Frauen immer dem Willen eines Mannes (ob des Vaters oder des Ehemanns) unterstehen, über ihr eigenes Schicksal.

Magdeburg 1250: Der Film erzählt einen fiktiven Tag im Leben Mechthilds von Magdeburg. Dies ermöglicht einen Einblick in das Leben der mittelalterlichen Stadt: wie verdienen die Menschen in der Stadt ihr Geld? An was glauben sie? Vor was fürchten sie sich? Wie gehen die Menschen mit Krankheiten wie Lepra um? Und was sind die Neuerungen des 13. Jahrhunderts? Denn Mechthild lebt in einem Jahrhundert der Umbrüche: Während über Jahrhunderte lang die Gesellschaft von einem ländlichen Charakter geprägt ist, werden zwischen 1240 und 1300 in Europa jährlich etwa 300 Städte gegründet. Die Geldwirtschaft nimmt an Bedeutung zu und Städte werden zu reichen Handelsorten, in denen die Bürger um mehr Selbstbestimmung gegen ihre kirchlichen oder adeligen Stadtherren kämpfen. Besitz ist nun nicht mehr allein durch den unbeeinflussbaren Faktor der Geburt in einem hohen Stand festgelegt, sondern an die persönliche Leistung gekoppelt.

In der Kirche regt sich am Ende des 12. Jahrhunderts eine Bewegung, die sich dem einfachen Leben nach Jesus Vorbild zuwendet und Übermaß ablehnt. Vertreter sind die neugegründeten Orden der Franziskaner und Dominikaner, die sich im 13. Jahrhundert in allen großen Städten ansiedeln. Aber auch einfache Gläubige wollen verstärkt ein Leben in Frömmigkeit führen. So entstehen u.a die Beginen, zu denen auch Mechthild zählt. Welche Aufgabe übernimmt sie in der Stadt? Was gibt ihrem Leben halt? Und welchen Gefahren setzt sie sich als Begine aus? Denn nicht jeder steht einer Frau wie Mechthild positiv gegenüber.


Buch/Regie: Gabriele Rose

Kamera: Torbjörn Karvang / Jürgen Rehberg

Producer: Katrin Thomas

Produktionsleitung: Sascha Beier

Produzentin: Simone Baumann

Besetzung:
Natascha Paulick als Mechthild
Michael Schrodt als Pfarrer
Rike Eckermann als Hedewig

Fotos: Andreas Lander